Archs hart erkämpfter Sieg heizt Titelkampf an

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„Budapest, me and Air Race – we are all friends.“

Hannes Arch strahlte mit der Sonne um die Wette. Bei dieser Challenge hatte er angesichts der Temperaturen – das Thermometer zeigte bis zu 35 Grad - zwar das Nachsehen, dafür machte er im vierten Saisonrennen zuvor eine umso bessere Figur.

Der 47-Jährige triumphierte auf dem extravaganten Kurs an der Donau und feierte nach Rovinj seinen zweiten Saisonsieg in der laufenden Meisterschaft. Im Finale der besten Vier setzte er sich vor dem Briten Paul Bonhomme, dem Tschechen Martin Sonka sowie Pete McLeod aus Kanada durch.

Nach einem durchwachsenen Saison-Start zeigt die Formkurve mit zwei Siegen in Folge steil nach oben. „Ich habe es nicht erwartet“, gab Arch nach seinem Erfolg zu, „aber der Lauf im Finale ist mir einfach aufgegangen, es war der beste des Wochenendes.“

„Alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann“

Und das Wochenende in Ungarn, zu dem insgesamt 70.000 Zuschauer kamen, begann für den Österreicher ganz und gar nicht gut. „Ich habe am Freitag alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann“, so die Analyse der Trainings. „Du musst alle Fehler einmal machen, damit du sie später nicht noch einmal machst.“

Gesagt, getan. Schon im Qualifying zeigte Arch mit Rang drei eine deutlich bessere Performance.

Im Finale am Sonntag eliminierte er dann zuerst den Spanier Velarde, in der zweiten Runde wurde sein Gegner Nigel Lamb disqualifiziert, womit der Aufstieg schon vor dem Flug fixiert war.

„In der Runde der besten Acht wollte ich nach Nigels Disqualifikation eigentlich einen soliden, schnellen Lauf machen, um zu schauen, wo ich stehe. Ich war dann sehr enttäuscht von der Zeit, die ich geflogen bin, war mir aber auch der Fehler bewusst.“

Rechtzeitig zurück im Race-Modus

Genau rechtzeitig vor dem Finale der letzten Vier packte Arch die Motivation. „Dieses Gefühl - das ich auch in Rovinj hatte – hat mir davor den ganzen Tag gefehlt, es ist im letzten Augenblick gekommen.“

Ein zusätzlicher Motivationsschub war das Ausscheiden des Australiers Matt Hall, der das Wochenende bis dahin dominiert hatte. „Das hat mich zurück in den Race-Modus gebracht, den du brauchst, um da draußen schnell zu sein“, sagt Arch.

Im Race-Modus spielte der 47-Jährige dann sein ganzes Können und seine Routine aus. Am Ende durfte er wie schon 2008 – damals feierte er in Budapest seinen ersten Air-Race-Triumph – über den Sieg jubeln.

„Es war, verglichen mit den anderen Durchgängen im Finale, ein außerordentlich guter Lauf. Wir haben hart gearbeitet, um die Fehler bis zum Finale auszumerzen“, erzählte Arch, dem die enorme Hitze wie allen anderen Piloten auch zu schaffen machte. „Wenn es heiß ist, fühlt sich das Flugzeug ganz anders an, man fliegt die Kurven unterschiedlich. Der Pilot merkt jedes Grad mehr.“

„Es war mein härtester Sieg“

In Anbetracht dessen war der zehnte Karriere-Erfolg ein umso härter erarbeiteter Triumph. „Natürlich sind alle Siege harte Arbeit, aber es war insofern der härteste, weil wir uns von Tag zu Tag verbessern mussten.“

Exakt diese Fähigkeit, Fehler schnell ausmerzen und sich kontinuierlich steigern zu können, gehört zu Archs wichtigsten Erfolgsfaktoren.

„Ich bin jemand, der Fehler akzeptieren und daraus lernen kann. Es ist wichtig, dass man nicht zu stolz ist. Man darf nicht glauben, dass man es sowieso kann sondern muss immer versuchen, besser zu sein und aus den Fehlern im Training und Qualifying zu lernen. Ich habe jetzt die Erfahrung und Reife, um cool zu bleiben. Das sind meine Stärken und auf die muss ich in Zukunft auch bauen“, sagte der Weltmeister von 2008.

Die unmittelbare Zukunft heißt Ascot, wo Mitte August das nächste Rennen stattfindet, doch auch die Weltmeisterschaft wird mit diesem Sieg immer mehr zum Thema. Der gebürtige Steirer überholte in der Gesamtwertung den Australier Matt Hall (Aus in der Runde der besten Acht) und rückte damit an die zweite Stelle (29 Punkte) hinter Paul Bonhomme (34) vor.

Deja-vu für Arch?

2008 gewann Arch nach dem Rennen in Budapest auch die WM. Auf eine mögliche Wiederholung 2015 angesprochen stapelte er tief. „Das ist alles Spekulation. Es war ein Traum von mir, meinen Budapest-Sieg von 2008 zu wiederholen. 2009 ist es mir nicht gelungen, deshalb wollte ich es jetzt schaffen. Ich bin sehr dankbar für diesen Erfolg. Man muss von Lauf zu Lauf, von Rennen zu Rennen schauen.“

Von einem Dreikampf in der WM wollte der 47-Jährige nach vier von acht Saisonrennen nichts wissen. „Es gibt nicht nur Paul (Bonhomme, Anm.) und mich, es gibt zehn Piloten, die gewinnen können. Es wird Rennen für Rennen härter, ganz oben zu stehen, ein Fehler und du bist weg.“

Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Bonhomme ließ sich Arch dennoch nicht nehmen. „Am meisten liebe ich es, gegen Paul zu kämpfen.“

„Ich hasse es, wenn Hannes gewinnt“, entgegnete der Brite mit einem Schmunzeln und in dem Wissen, dass der Österreicher einer seiner härtesten Konkurrenten ist.

 

Daniela Kulovits

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