LAOLA1 und das Speibsackerl

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Red Bull Air Race: LAOLA1 geht in die Luft

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Zehn Meter über den Boden rauscht ein Flieger mit knapp 100 km/h vor mir vorbei.

Tief beeindruckt schaue ich hinterher, wie der Red-Bull-Air-Racer plötzlich scharf nach oben zieht und Drehungen vollführt.

„Bleib cool und genieß es“, meint der neben mir stehende Hannes Arch, dem mein leicht verängstigter Blick nicht entgangen ist.

Eigentlich eine sehr aufbauende Geste von Österreichs Kunstflug-Aushängeschild, wäre da nicht dieses schelmische Grinsen. Das verunsichert mich dann doch etwas.

Dies sowie das leicht flaue Gefühl in meiner Magengegend werden mich aber nicht davon abbringen, in einer dieser rund 350 PS starken Kisten mitzufliegen. Schließlich sollte man als Journalist ja wissen, worüber man schreibt. Und da nach vierjähriger Pause ab 1. März das Air Race ein Comeback feiert, heißt es Hose runter und rein in den Overall.

Wo hab ich meine Flieger-Brille?

Der Overall passt vom Schnitt her überraschend gut. Dass ich mir aufgrund mangelnder Körpergröße (1,66 m Gardemaß) eine Damen-Ausgabe unter den Nagel gerissen habe, soll aber nicht weiter von Bedeutung sein.

Mit Spannung lerne ich jenen Menschen kennen, dem ich in der nächsten Viertelstunde mein Leben anvertraue. „Hello, my name is Dario!“ Auf den ersten Blick auf alle Fälle sympathisch. Aber auch vertrauenswürdig? Da bin ich mir noch nicht sicher.

Dario wirkt wie die südländische Ausgabe von „Maverick“, wonach ich dann „Goose“ wäre. Als mir aber einfällt, wie das im Film „Top Gun“ weitergeht, lege ich den Vergleich schnell wieder ad acta.

Von daher beruhigt es mich zu hören, dass Dario kein Air-Force-Pilot, sondern professioneller Kunstflieger ist. Seit 1996 geht er regelmäßig in die Luft. Meine Bekanntschaften mit Adam Riese reichen aus, um das als „ausreichend“ einzustufen.

Lieber in den Overall als auf die Amaturen

Während Dario noch den Flieger tankt, macht mich sein Kollege mit den „Safety Instructions“ in Form des Fallschirms vertraut. Recht viel außer kräftig am roten Ding ziehen, bleibt aber nicht hängen. Eins hat sich dann doch noch eingebrannt: Schleudersitz hat das Flugzeug keinen, weshalb ich im Falle des (im wahrsten Sinne) Falles rausspringen soll.

Sieht alles sehr professionell aus, nur wozu dient das zerknüllte Stück Plastik an meiner Schulter? „Falls du dir während des Flugs etwas durch den Kopf gehen lassen willst.“

Als ich etwas unbeholfen versuche, das Plastiksackerl probehalber vom Fallschirm-Rucksack zu lösen, überkommen meinen „Steward“ offenbar leichte Zweifel: „Zur Not reicht es auch in den Overall rzu reihern. Aber bloß nicht auf die Amaturen! Ich will heute keine Nachtschicht einlegen müssen.“ Okay, Nachricht angekommen.

Damit quasi gar nichts aus mir rauskommen kann, gurtet er mich im Flieger scheinbar extra fest an. Etwas, für das ich ihm nur zehn Minuten später sehr dankbar sein werde.

Auf der Rollbahn

LAOLA1-Redakteur Reini Pühringer mit Kunstflug-Pilot Dario (links)

Der Motor surrt, mein Puls steigt.

Während Dario noch ein letztes Mal alle Funktionen checkt, identifiziere ich die zwei Anzeigen vor mir als Höhen- bzw. Geschwindigkeitsmesser. Uninteressant, ich will starten!

Nach einem „Are you ready?“ von Dario geht die Post ab. Es presst mich in meinen Sitz. Fast mühelos manövriert Dario den kleinen Spucker in die Luft und anschließend steil nach oben. Ein traumhaftes Panorama eröffnet sich mir. Bei herrlichem Sonnenschein erstrecken sich zu meiner Linken die nördlichen Kalkalpen und unter mir das kleine Kirchheim im Innkreis. Doch der Moment des Innehaltens währt nur kurz.

„Let’s pass the gate!“, tönt es brüchig aus meinen Kopfhörern. Dario fliegt eine Schleife und stürzt hinunter. Am Boden ist ein den Air-Race-Fans gut bekanntes Pylonen-Pärchen aufgestellt. Da müssen wir dazwischen durch. Wir sind zu weit links, schießt es mir durch den Kopf. Doch Dario hat alles im Griff. Sanft gleitet der Flieger nach rechts.

Fürsorglich fragt er mich, ob ich noch okay sei. Da ich euphorisch bejahe, greift Dario in die Trickkiste. Eine Reihe scharfer Manöver, bei denen der synchronisierte Schaltknüppel zwischen meinen Beinen (den ich nicht anfassen soll) immer nur ganz kurz ausschlägt, verdeutlichen mir, welche Kräfte in diesem Sport frei werden.

Gegen das echte Air Race nur ein „Kindergeburtstag“

Da verliert man schnell die Orientierung

Wenig überraschend reicht das Dario noch nicht. Er stellt den Flieger einmal senkrecht in Richtung Himmel. Kurz darauf das umgekehrte Spiel. Pfeilgerade geht es hinunter. Als er das Flugzeug wieder nach oben zieht erreichen wir an die sechs G, das sechsfache der Erdanziehungskraft.

Mit voller Wucht drückt es mich in den Sitz. Für mich unvorstellbar, wie Dario es schafft, unter diesen Kräften noch das Flugzeug zu steuern. Noch unvorstellbarer wird es, wenn ich daran denke, dass bei einem Red Bull Air Race mit bis zu 400 km/h und zehn G geflogen wird.

Obwohl der Plastiksackerl-Knoten infolge unberührt bleibt, verliere ich flugs die Orientierung. Die Berge helfen zwar etwas, doch als Dario ein letztes Mal das Gate ansteuern will, habe ich keinen Dunst, wo da unten ich die über zehn Meter hohen Dinger suchen soll.

Froh, wieder heil am Boden zu sein

Wie behält man bei all den Drehungen die Übersicht? „Das hängt damit zusammen, wo du während des Fluges hinschaust. Aber das lernt man mit den Jahren“, erklärt Dario, der mich letztlich wohlbehalten auf den Boden zurückbringt.

Beine aus Butter

So richtig fest kommt mir nach dem Aussteigen der Boden jedoch nicht vor, was weniger an Mutter Erde sondern viel mehr an meinen etwas wackeligen Beinen liegt.

Auch wenn ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob das Gefühl in meinem Bauch das kumulierte Adrenalin oder doch nur das Schinken-Käse-Baguette von heute Mittag ist, war dieser Trip der Hammer!

Und allmählich verstehe ich, warum Menschen auf diese Art des Fliegens derartig abfahren.

Reinhold Pühringer

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