Arch in Spielberg unter Zugzwang

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Arch in Spielberg unter Zugzwang

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Auch 2015 ist Spielberg Gastgeber des Red Bull Air Race.

Über der Formel-1-Rennstrecke in der Obersteiermark kämpfen am Sonntag 14 Superlizenz-Piloten um WM-Punkte.

Für Vizeweltmeister und Lokalmatador Hannes Arch ist das Heimrennen trotz zweier Saisonsiege fast schon so etwas wie die letzte Titel-Chance. Ein Sieg wäre für den Steirer daher doppelte wichtig.

Großer Rückstand

Nur noch drei Rennen stehen in der laufenden WM auf dem Programm und bei 16 Punkten Rückstand auf den führenden Briten Paul Bonhomme ist Arch als aktueller WM-Dritter bereits unter Zugzwang.

Soll der zweite Titel nach 2008 und nicht der vierte Vize-Weltmeistertitel in Folge her, muss Arch in seiner Heimat wohl gewinnen und zugleich hoffen, dass Bonhomme vor den abschließenden beiden Rennen in den USA nicht zu viele Punkte macht.

Druck ausgeblendet

Ein Zugang, der Arch aber etwas zu verkrampft ist. "Ich habe null Druck", betonte er vielmehr.

"Ich habe bewiesen, dass ich schnell bin und einen guten Flieger habe und meine Hauptmotivation ist, bei jedem Flug der Schnellste zu sein. Das geht nur, wenn du Risiko nimmst", laute daher sein einfaches Vollgas-Motto.

"Sollte am Ende auch noch der WM-Titel dazu kommen, ist das nett. Aber ich will in erster Linie angreifen und komme top-motiviert aber auch entspannt nach Spielberg."

Gute Erinnerungen

Das war im Vorjahr womöglich nicht ganz so gewesen. Spielberg war im Comeback-Jahr der "schnellsten Motorsportserie der Welt" Finalort gewesen, doch mit einem vierten Platz im Finale verspielte Arch trotz vorheriger Bestzeiten vor Zehntausenden Zuschauern damals seine historische Titelchance.

"Ich habe mich beim Anflug unnötig stressen lassen", erinnerte er sich und ist sich sicher: "Heuer passiert mir das nicht mehr, da bin ich sicher abgebrühter."

Auch, weil er positive Erinnerungen hat. "Damals haben mich die Leute trotzdem gefeiert, weil sie mich kämpfen gesehen haben. Das war echt geil."

Keine Schuldzuweisungen

Dass der 47-jährige 2015 nur Außenseiter im WM-Kampf ist, hat auch mit Pech zu tun. Beim WM-Start in Abu Dhabi wurde er wegen einer Zeitstrafe im Finale nur Vierter.

In Japan gab es gar nur Platz elf und zuletzt in Ascot streikte überhaupt der Motor seiner Edge wegen defekter Zündspulen.

Schuldzuweisungen blieben dennoch aus. "Das bringt nichts. Ich bin der Pilot, ich bin der Teamchef und für alles verantwortlich. So ist das beim Air Race", lautet Archs pragmatischer Schluss.

Kein Freund des Formats

Dank der Siege in Rovinj und Budapest sind Archs WM-Chancen dennoch intakt und der Positiv-Denker aus Trofaiach will diese am Sonntag (ab 13.45 Uhr live in ServusTV) auch nutzen.

Auch wenn er und viele andere Piloten mit dem neuen 2015er-Format, das die besten Piloten schon in der ersten K.O.-Runde gegeneinander bringen kann, gar nicht taugt. "Eigentlich", so Arch, "ist das ein ziemlicher Scheiß."

Ein Thema unter den Piloten

Nicht entziehen können sich die Air-Race-Piloten den jüngst gehäuft aufgetretenen Unfällen bei Flugshows. "Es trifft einen schon, weil hier Menschen ihrer Passion gefolgt sind und eigentlich etwas Schönes getan haben", meinte Arch.

Ursachenforschung zur Eigenberuhigung betreibt er aber keine. "Das bringt mir nichts. Es sind andere Flugzeuge, andere Voraussetzungen, das würde mich nur nervös machen", lässt er der Österreicher das Thema vielmehr nicht groß an sich heran.

Arch hat als Hochgeschwindigkeits-Luftakrobat vielmehr ein relativ striktes Konzept. "Ich habe 25 Jahre Extremsport gemacht und weiß, wer mein größter Feind ist. Das sind ich und mein Unvermögen. Jedem Extremsportler ist bewusst, dass er bei einem Fehler weg ist. Und irgendein Fehler ist bei einem Absturz immer dabei."

Archs Einstellung ist daher einfach. "Ich bin immer selbst schuld. Auch wenn das Flugzeug auseinanderbricht, ich bin selbst eingestiegen."

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