Arch: "Der Pilot steht absolut im Vordergrund"

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„Der Rennanzug kommt in den Kühlschrank.“

Hannes Arch lässt nichts unversucht, um bei der extremen Hitze in Budapest einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Air-Race-Pilot peilt in Ungarn seinen zweiten Saisonsieg nach Rovinj an.

Eine der Herausforderungen beim vierten Rennen sind Temperaturen jenseits der 30 Grad. „Die Fitness spielt eine wichtige Rolle“, glaubt Arch, „wenn man sich zum Beispiel Paul (Bonhomme, Anm.) anschaut, der schnauft schon mehr als manch anderer. Generell sind nicht viele wirklich fit.“

Die zweite Herausforderung auf dem extravaganten Kurs an der Donau ist die historische Kettenbrücke, unter der die Piloten ihre Flugzeuge hindurch manövrieren müssen.

Wie Monte Carlo ohne Tunnel

„In diesem Jahr ist es anders, als bei den letzten Rennen in Budapest, weil der Start erst nach der Brücke ist und nicht davor. Es ist quasi ein Hindernis, das man überwinden muss, bevor es losgeht“, sagt der Österreicher und erklärt die Schwierigkeit an dem Manöver.

„Unter der Brücke fliegt man tiefer, als normal, dann muss man wieder hochziehen, dadurch verliert man Geschwindigkeit. Das macht es zu einem taktischen Element, das zwar nicht dazu zählt, aber den Start doch beeinflusst. Man muss sehr konzentriert sein, aber ich finde, es gehört einfach dazu. Ohne die Brücke wäre der Kurs nur halb so spektakulär. Das ist, als ob du in Monte Carlo sagen würdest, du fährst nicht durch den Tunnel.“

Für das Air Race heben die Behörden extra einen Paragraphen im Gesetz auf, der normalerweise besagt, dass das Unterfliegen von Brücken verboten ist. „Das was wir hier machen, ist eben kein Lercherlschas“, merkt Arch mit einem Schmunzeln an und wagt einen Blick zurück an die Anfänge des Air Race.

Aus der Vergangenheit gelernt

„Die Flugzeuge früher waren ganz anders als heute, eigentlich war die ganze Plattform unausgereift. Es ist ungefähr geflogen und ungefähr gejudged worden“, erzählt der gebürtige Steirer.

Aber man habe „zum Teil“ aus der Vergangenheit gelernt. Zum Beispiel in Punkto Sicherheit: Die Pylonen sind nun höher, einige Manöver wurden entschärft. „Das ganze geht immer mehr in Richtung Sport und weg vom Kunstfliegen“, findet Arch Gefallen an der Entwicklung des Air Race.

Dennoch ortet der 47-Jährige noch Verbesserungsbedarf. „Das technische Komitee muss zukunftsorientierter arbeiten. Wir brauchen ein technisches Reglement, dass sich nicht jedes halbe Jahre ändert. Die Teams versuchen natürlich, das Beste aus den Vorgaben herauszuholen, aber die Entwicklungen dauern eben sehr lange – vor allem mit dem geringen Budget, das wir haben. In Wahrheit muss man jetzt schon auf die nächste Saison schauen.“

„Die arrivierten Füchse sind vorne dabei“

Trotzdem sei das Air Race auf einem guten Weg. „Es ist kein Cowboy-Event mehr wie früher, wo der, der super talentiert ist, vorne ist. Es geht auch um harte Arbeit und die richtige Vorbereitung. Die arrivierten Füchse sind vorne dabei und von hinten drängen jene nach, die schon fünf bis sechs Jahre Erfahrung haben. Es staut sich an der Spitze schon fast. Der Pilot steht absolut im Vordergrund.“

Das ist laut Arch auch die Richtung, in die es in Zukunft gehen muss. Anmerkung: „Es liegt aber viel an der Vermarktung des Events“. Dass man in dieser Hinsicht auf einem guten Weg ist bestätigen Rennen wie jenes in Budapest vor spektakulärer Kulisse - beim bisher letzten Air Race in Ungarn 2009 säumten über 60.000 Zuschauer das Ufer der Donau.

"Ein Wackler und ich bin da"

Der Österreicher findet aber auch weniger gute Beispiele im acht Stationen umfassenden Rennkalender. „In Abu Dhabi ist es wie in der Formel 1, dort kommt auch keine Sau hin. Aber für den Winter ist es ok. Auch in Amerika ist es schwierig, dort muss der Sport erst durchsickern. Locations wie Budapest oder Spielberg sind einfach super!“

Umso größer ist auch die Motivation für das Rennen am Sonntag. „Wenn ich 100 Prozent fliege, dann bin ich vorne dabei. Ob ich wirklich das schnellste Gerät habe, kann ich nicht sagen. Im Moment schaut es so aus, als hätte Matt (Hall, Anm.) die beste Maschine. Aber einmal ein Wackler im Sitz von ihm und ich bin da“, kündigt Arch an.

 

Aus Budapest berichtet Daniela Kulovits

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