Haug: "Kann verstehen, wenn Emotionen durchgehen"

Aufmacherbild
 

Der Einstieg von BMW scheint die DTM-Welt beflügelt zu haben.

Beim Auftaktrennen am vergangenen Sonntag in Hockenheim ging es zwischen den Fahrern der drei Herstellern mächtig zur Sache.

Rempelei hier, Kolission dort - und am Ende lachte Mercedes doppelt von der Spitze.

Motorsport-Magazin.com hat Motorsportchef Norbert Haug zum Gespräch getroffen:

Frage: In Hockenheim erzielte Mercedes-Benz den 100. Doppelsieg. War dies einer der wertvollsten Siege für Sie persönlich?

Norbert Haug: Wertvoll war dieser Doppelsieg, weil er beim Auftakt einer neuen DTM-Ära mit vollkommen neuen Fahrzeugen erzielt wurde und weil Audi und BMW sehr kompetente Gegner sind, die in der Vorbereitung alles gegeben haben, um diesen ersten Sieg zu holen. Gary Paffet und seine Mannschaft haben diesen Sieg verdient und Jamie Green war nur unwesentlich langsamer unterwegs als Gary.
 
Frage: Wie bewerten Sie die Performance des Mercedes AMG C-Coupés beim Saisonauftakt in Hockenheim im Vergleich zu Audi und BMW?

Haug: Unsere Leistung war gut. Wir haben mit dem neuen C Coupé ein gutes Auto gebaut - unterschätzen deshalb aber auf gar keinen Fall unsere Konkurrenten, geschweige denn gehen wir davon aus, dass es jeden Sonntag so laufen wird wie beim Auftaktrennen in Hockenheim.
 
Frage: In Hockenheim gab es so viele Überholmanöver wie in der DTM schon lange nicht mehr. Geht das neue Fahrzeugkonzept auf?

Haug: Das sieht ganz so aus. Wir müssen noch ein paar Rennen warten, um das mit Sicherheit sagen zu können. Der Spannung und den Überholvorgängen hat sicher geholfen, dass der Schnellste im Rennen als Sechster losfuhr. Wäre Gary auf Pole gestartet, hätte ihn bei diesem speziellen Rennen wohl keiner seiner Konkurrenten mehr gesehen und zu überholen hätte es auch nix gegeben.
 
Frage: Es gab auch viel "echten Tourenwagensport", mit harten Zweikämpfen zwischen Autos und Fahrern. Haben die Zuschauer das genossen und war es Ihrer Meinung nach faires Verhalten?

Haug: Ralf hat sich in der Spitzkehre verschätzt und dafür eine Durchfahrtsstrafe erhalten. Andere Fahrer sind unseren ins Auto gefahren und haben trotzdem die Schuld bei ihren Kontrahenten gesucht.

Frage: Ralf Schumacher bekam viele Kommentare und Kritik nach dem Rennen - es fielen sogar die Wort "Rambo Ralf". Wie sehen Sie seine Fahrweise in Hockenheim beim Saisonauftakt?

Haug: Ralf hat sich beim Anbremsen der Spitzkehre zweimal verbremst und dafür eine Durchfahrtsstrafe erhalten. Kommentare, die andere Fahrer über ihn gemacht haben, möchte ich auch unter "verbremst" abhaken.

Frage: Auch der ehemalige Mercedes-Pilot Bruno Spengler hat sich im Boxenfunk und später im TV-Interview sehr über die Fahrweise von Ralf Schumacher aufgeregt. Zurecht?

Haug: Ich kann verstehen, wenn mal die Emotionen mit einem Fahrer durchgehen. Die Aufzeichnung vom Vorfall zeigt, wer wem ins Auto fährt.
 
Frage: Das Rennen in Hockenheim am Sonntag war so gut wie ausverkauft, und über 142.000 Menschen waren am Rennwochenende vor Ort. Erlebt die DTM ihre Blütezeit?

Haug: Die Kulisse und die Atmosphäre in Hockenheim waren großartig und auch Michael Schumacher, der am Sonntag vor Ort weilte und mit unserem Formel 1-Silberpfeil Demonstrationsrunden für die Zuschauer fuhr, war sehr beeindruckt, was bei der DTM so abgeht.
 
Frage: BMW zeigte in Hockenheim beeindruckende Rundenzeiten im Qualifying und kämpfte mit um die Pole Position. Was denken Sie über das BMW-Debüt am vergangenen Wochenende?

Haug: Es war so, wie wir es uns vorgestellt hatten. BMW hatte eine lange Vorlaufzeit für das DTM-Projekt und treibt entsprechenden Aufwand, um vorne zu fahren. Sie haben Fahrer von der Konkurrenz verpflichtet, die die DTM in- und auswendig kennen und unser Auto ist, wie auch jenes von Audi, genau so neu entwickelt worden wie jenes von BMW. Wir fuhren parallel zur Entwicklungsphase noch die letztjährigen DTM-Rennen.

Frage: Christian Vietoris hat im Rennen elf Plätze gut gemacht. Was erwarten Sie vom DTM Junior-Team mit Vietoris und den beiden DTM-Neulingen Robert Wickens und Roberto Merhi?

Haug: Christian war gut unterwegs, unsere DTM-Junioren sind talentiert und gut und haben schon Meisterschaften gewonnen. Sie werden in der DTM lernen und gute Leistungen zeigen.
 
Frage: In der Lausitz hat Mercedes-Benz neun der zwölf Rennen gewonnen. Woher stammt diese Dominanz auf der Strecke, und was erwarten Sie vom kommenden Wochenende?

Haug: Alles wird neu gemischt werden, neue Autos, neue Wettbewerber, neue Fahrer - man kann nicht viel von den Lausitzring-Erfahrungen der Vergangenheit nutzen. Es wird spannend bleiben in der DTM, so viel ist klar, und sie wird auch am Lausitzring guten Zuschauer-Zuspruch finden.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen