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Zeit statt Selbstzerfleischung

Ricardo Moniz ist grundsätzlich keiner, der vor den Mikrofonen der Medienvertreter große Emotionen zeigt.

Egal, ob seine Mannschaft sieben Spiele in Folge sieglos ist oder gerade den Aufstieg ins Sechzehntelfinale der Europa League schafft: Der Niederländer bleibt immer sachlich, fachlich, nüchtern.

Doch nach dem „Thriller von Bratislava“ konnte man sie fast hören, die Steine, die dem 47-Jährigen vom Herzen fielen. Moniz war beziehungsweise ist intern angezählt – so sickerte es zumindest aus dem Umfeld der „Bullen“ durch.

Er würde sich zu sehr auf seine Individualisten konzentrieren; soll vor allem die Südamerikaner bevorzugt behandeln; soll mit seiner Personalführung viele Mitarbeiter vor den Kopf stoßen; soll vor lauter Detailverliebtheit das große Ganze nicht mehr sehen.

Nun ist der EL-Aufstieg zwar nach wie vor keine Job-Garantie, aber den Kritikern wurde mit dem sportlichen Erfolg etwas der Wind aus den Segeln genommen. Vor allem, da die Mannschaft in Bratislava nach dem frühen 0:2 den oft vermissten Charakter zeigte – ein Verdienst, der auch Moniz zuzuschreiben ist.

Die Entscheidung trifft letztlich sowieso Big-Boss Dietrich Mateschitz. Und der muss sich langsam festlegen, was er will.

Will er in Salzburg nach fünf Trainern (Jara, Trapattoni, Adriaanse, Stevens, Moniz) in sechs Jahren endlich Kontinuität?

Will er den oft angekündigten Umbruch tatsächlich vollziehen?

Will er in der Mozartstadt wirklich für Nachhaltigkeit sorgen?

Will er aus Red Bull Salzburg einen richtigen Fußball-Klub machen, der für die Fans wieder greifbar ist?

Die Zeit wäre jedenfalls reif dafür. Und mit Moniz hat er einen Trainer, der wie kaum ein anderer für das Fußball-Projekt Red Bull lebt. Mit all seiner Leidenschaft. Mit all seiner Demut und natürlich mit all seinen Fehlern.

Aber vielleicht sollte man ihm zur Abwechslung einfach mal die nötige Zeit geben, anstatt unnötige Selbstzerfleischung zu betreiben.

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