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Zeitlupe Schwabl


OSV beraubt sich einziger Rio-Hoffnung

Von wegen Sommerloch! Österreichs Sport kommt dieser Tage einfach nicht zur Ruhe. Erst die Nullnummer bei den Olympischen Spielen in London, dann der Scharner-Eklat im ÖFB-Team und die Ausschreitungen von Saloniki inklusive UEFA-Höchststrafe für den SK Rapid.

Und jetzt, als wäre all das nicht schon genug, wird Dinko Jukic vom OSV-Verbandsgericht für ein Jahr (10 Monate davon unbedingt; Anm.) gesperrt, weil er bei der Kurzbahn-EM in Debrecen verbal ausgerastet ist. Der 23-Jährige hat zwei Funktionäre und einen Kampfrichter im Teamhotel beschimpft. Unter anderem ist der Satz „Ich reiße euch den Arsch auf!“ gefallen, außerdem so das Verbandsgericht in seiner Urteilsbegründung, soll Jukic versucht haben eine Person körperlich anzugreifen.

Warum sich der Schwimm-Star weder mündlich noch schriftlich zu den Vorfällen äußerte, ist vorerst sein Geheimnis. Denn auch die Gegenseite hatte sich in Debrecen nicht mit Ruhm bekleckert und sich mit diversen Aktionen für ein Disziplinarverfahren „empfohlen“. Aber davon wollte die OSV-Spitze nichts wissen, genau wie von den Rücktritts-Drohungen. Dinko Jukic schweigt. Noch.

Er hat laut Statuten jetzt 14 Tage Zeit, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Dann kommt es beim Verbandstag am 15. September zur nächsten Runde. Und dort werden sich einige Herren, die sich dann auch zur Wiederwahl ins OSV-Präsidium stellen, fragen müssen, ob man es sich wirklich leisten kann, auf das zugegeben eigenwillige Aushängeschild, nur weil es einigen alten Herren nicht geheuer ist, zu verzichten.

Denn schaut man sich die Leistungen der Schwimmerinnen und Schwimmer im Aquatics Centre an, so ist Dinko Jukic nach dem Karriereende von Markus Rogan die einzige realistische Medaillenchance für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Auch wenn Präsident Schauer gebetsmühlenartig wiederholt, dass sich die Welt auch ohne Dinko Jukic weiterdreht und er von jungen Talenten, wie der 17-jährigen Lisa Zaiser spricht.

Nichts gegen die junge Kärntnerin, aber Missy Franklin, Ruta Meilutyte und Ye Shiwen wurden in diesem Alter (und teilweise sogar jünger) in London Olympiasiegerinnen. Fragt man Experten ist, abgesehen von Jukic, der Zug Richtung Rio längst abgefahren – und das ist das eigentliche Problem im heimischen Schwimmsport.

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