Kann Sport schaffen, was Politik nicht zustande bringt?

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Der FC Bayern München steht heute wieder einmal vor einem "problematischen" Auswärtsspiel.

Vor wenigen Wochen ist der deutsche Rekordmeister heftig kritisiert worden, weil er in Saudi-Arabien ein Testspiel absolviert hat. Dem islamischen Königreich werden zahlreiche Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen. Dem FCB war es egal. Die Münchner Verantwortlichen verfolgen wohl andere Ziele, auch wenn sie im Nachhinein das Testspiel in Frage stellten.

Heute Abend tritt der deutsche Vorzeige-Verein in der Ukraine an. Das Champions-League-Spiel gegen den FC Schachtjor kann allerdings nicht in Donezk gespielt werden. Das neu errichtete Fünf-Sterne-Stadion Donbass ist durch die Kriegswirren im Osten des Landes stark beschädigt worden. Der Flughafen der Stadt – ebenfalls anlässlich der EURO 2012 neu eröffnet – liegt in Schutt und Asche. Die UEFA hat das Heimspiel von Donezk längst in das über 1.000 Kilometer entfernte Lviv (einst Lemberg) in den Westen der Ukraine verlegt.

The Show must go on. Der Sport lässt sich von politischen Streitereien und den gefährlichen Zuständen im Land nicht stoppen.

Die Bayern haben aus ihrem Trip nach Saudi Arabien gelernt. Hut ab! Die Münchner leisten bei ihrer Champions-League-Reise humanitäre Hilfe. Der Verein übernimmt die Kosten für den Krankenhaus-Aufenthalt, die Operationen und die Medikamente für 30 Kinder.

Der FC Schachtjor ist für viele Ukrainer der arg gebeutelten und geplagten Region Donbass ein Hoffnungsschimmer. Auf beiden Seiten der verfeindeten Kriegsparteien gibt es Fans des Vereins, die gemeinsam einem Sieg gegen den FC Bayern entgegenfiebern.

Eine Waffenruhe bzw. einen Frieden in der Ost-Ukraine garantiert das leider nicht. Heute drücken sie gemeinsam die Daumen für Donezk, morgen schießen sie wieder aufeinander. Zum Kotzen!

Wie großartig wäre es, wenn die Stimme des Fußballs in diesem Fall ein Friedenswort sprechen könnte. Es bleibt wohl nur eine zarte Hoffung und ein Traum, würde der Sport bewirken, was die Politik mit Sanktionen und Diplomatie nicht zustande bringt.

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