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Ohne Medien-Hype wäre Happel auch heute noch top

Die Erinnerungen an Ernst Happel sind auch 20 Jahre nach dessen Tod allgegenwärtig. Das Leben und Wirken der Wiener Fußball-Legende wird weit über Österreichs Grenzen hinaus gewürdigt.

Happel war als Spieler und Trainer ein Superstar und seiner Zeit voraus. Happel war kalt-warm. Happel war Genie und Wahnsinn. Da der gefürchtete "Grantler", dort der liebenswerte Großvater, der bei all seinen Mannschaften, die er trainierte, die jungen Spieler in Schutz nahm und die "Stars" an der kurzen Leine hielt.

Happel hatte den Fußball im Blut. Er ließ als erster Trainer Pressing spielen und hoch verteidigen. Er konnte bereits als Aktiver ein Spiel lesen wie kein Zweiter und erntete damit als Trainer eine Vielzahl an Erfolgen. Ob Happel mit seiner Art und seinen Methoden auch heute noch Erfolg hätte, lässt sich schwer beantworten.

All jenen, die daran zweifeln, sei gesagt, dass sich Happel auch in seinen letzten Lebensjahren ständig weitergebildet hat. Er setzte auf Disziplin und beschäftigte sich mit der modernen Trainingslehre. Happels Gabe, das Spiel des Gegners zu entlarven und seine Mannschaft mit wenigen, einfachen Worten optimal einzustellen, wäre auch heute noch ein Erfolgsgarant.

Im Umgang mit den Medien und der Hysterie rund um die Fußball-Stars hätte der "Wödmasta" allerdings seine Probleme. Wer kann es ihm verdenken. In seiner Zeit beim HSV ist seine Wohnung eine Woche lang rund um die Uhr von einem Bild-Fotografen und einem Journalisten belagert worden, um rauszubekommen, ob der Star-Coach eine neue Freundin hat.

Das war mit ein Grund, warum Happel seinen Lebensabend in Österreich, damals im Vergleich zu Deutschland medial ein Schlaraffenland, verbringen wollte.

Mit der Sensationsgier etlicher Medien und dem Presserummel konnte sich Happel nie anfreunden. Heute allerdings gehört der mediale Hype um den Fußball zum Geschäft. Und das wäre definitiv nicht mehr Happels Welt.

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