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Nachhaltige Weiterentwicklung wäre wünschenswert

Deutschland ist ein würdiger Weltmeister und es ist vielleicht ein wenig bezeichnend für das gelungene Turnier in Brasilien, dass sich die Jungs von Bundestrainer Jogi Löw letztendlich mit den bekannten deutschen Tugenden zum vierten WM-Titel geschossen haben.

Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger und Co. hatten im Finale gegen Argentinien den längeren Atem. Auffallend bei der Endrunde 2014 waren Fitness, Athletik, hohe Laufbereitschaft und der große Kampfgeist der besten Mannschaften der Welt. Attribute, die für Deutschland seit Jahrzehnten gelten, die neuerdings aber auch mit einem gehörigen Schuss Technik, Spielwitz, Fairness und Sympathie gepaart sind.

Es hat sich gezeigt, dass nur jene Nationen bestehen können, die ihr Herz in die Hand nehmen, sich was zutrauen und mutig nach vorne spielen. Die Vorrunde war ein Offensiv-Spektakel und Tor-Festival. Die K.o.-Phase untermauerte, dass sich mehrere Teams auf Augenhöhe begegnen und oft wenige individuelle Fehler über siegen oder fliegen entscheiden.

"Steinzeit"-Trainer („Burschen, geht’s ausse und spült’s euer Spü!“) müssen endgültig abdanken. Raffinesse, Flexibilität und das Beherrschen mehrerer Spielsysteme sind gefragt. Die "Zauberer vom Zuckerhut" waren quasi die Antithese dazu. Erschreckend, wie schwach sich der Gastgeber und Rekord-Weltmeister ohne Superstar Neymar präsentierte.

Die Dreier- bzw. Fünfer-Abwehrkette wird sich als neues Mittel für das schnelle Umschaltspiel durchsetzen. Auch die Torlinien-Technik und der Freistoß-Spray sollten beibehalten bzw. optimiert werden. Die Leidenschaft der friedlichen Fans auf den Tribünen war erfrischend und ansteckend.

Der Weltverband FIFA wird mit seinem Turnier einen Rekordgewinn einstreifen und sich leider wohl weiter von der Basis entfernen. Kommerz und Größenwahnsinn schaden dem Fußball, werden die beliebteste Sportart der Welt aber nicht umbringen.

Österreich agierte bei der 20. Endrunde wieder einmal nur als interessierter Zaungast. Am Wochenende starten die heimischen Profivereine in den Europacup und die Meisterschaften. Man wird sehen, welche Lehren die Top-Klubs aus der WM ziehen. Eine schnelle und nachhaltige Weiterentwicklung aller Rahmenbedingungen - wie sie bei Weltmeister Deutschland in den letzten zehn Jahren erfolgreich umgesetzt wurden - ist jedenfalls wünschenswert.

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