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Als wäre der Papst beim Diebstahl erwischt worden...

Deutschland kennt in diesen Tagen nur ein Fußball-Thema. Bayern-Boss Uli Hoeneß dominiert die Schlagzeilen. Aber nicht etwa, weil sein FCB von Sieg zu Sieg eilt und die Rekordbücher der Bundesliga neu schreibt. Auch nicht, weil das bevorstehende Champions-League-Halbfinale der Bayern gegen den großen FC Barcelona die Fans rund um den Erdball elektrisiert.

Nach einer Selbstanzeige von Uli Hoeneß ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 61-Jährigen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Na bumm.

Der eine oder andere deutsche Meinungsmacher reibt sich schadenfroh die Hände. Ein "best of" der Hoeneß-Zitate wird ausgepackt. "Ich weiß dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern", hat er 2005 unter anderem gegenüber der BILD gesagt. Bei der TV-Talkshow "Günther Jauch" erklärte Hoeneß 2012 beispielsweise: "Es kann nicht sein, dass in dieser Zeit, wo die Steuern sprudeln wie noch nie, der Staat immer noch Schulden macht."

Die Anschuldigung fühlt sich für die enttäuschten Hoeneß-Jünger an, als wäre der Papst gerade beim Ladendiebstahl erwischt worden.

Hoeneß soll über zehn Jahre versteuertes Geld auf einer Züricher Bank deponiert, aber keine Kapitalertragssteuer an den deutschen Fiskus abgeführt haben. Es geht um Börsen-Zockerei. Von 10 oder 20 Mille ist die Rede, sogar die unfassbare Zahl von 600 Millionen Euro ist bereits in den Medien aufgetaucht.

Die Ermittlungen laufen. Hoeneß brennt vieles auf der Zunge. Er kann, will und darf sich im laufenden Verfahren aber nicht äußern. Sicher aber ist, dass der wortgewaltige Manager seine Glaubwürdigkeit als moralische Instanz des deutschen, wenn nicht des Weltfußballs, verspielt hat.

Egal, wie die Untersuchungen ausgehen. Das Sauber-Image ist Geschichte. Kratzer, Schrammen und Dellen werden bleiben. Als Steuersünder taugt er nicht mehr als Vorbild für den kleinen Mann auf der Tribüne.

Der ehemalige DFB-Teamstürmer, Top-Manager, Präsident und seit 2010 auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der FC Bayern München AG hat keine Möglichkeit ausgelassen, an das "Financial Fairplay" der europäischen Top-Vereine zu appellieren. Er setzte UEFA-Präsident Michel Platini in Sachen Schuldenpolitik der Konkurrenz aus Spanien, England und Paris unter Druck. Er wetterte gegen Präsident Joseph S. Blatter und die Geldsäcke der FIFA.

Hoeneß gefiel sich in der Rolle des Aufdeckers der Nation, Mahners und Wohltäters, der u.a. Kult-klub St. Pauli oder Konkurrent Borussia Dortmund aus der finanziellen Klemme half. Ob der Fall nach dem ersten Schock in Deutschland zur Schlammschlacht ausartet, werden die Ermittlungen zeigen.

Das Lebenswerk des gradlinigen Bessermachers (Hoeneß meinte 2010: „Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher!“) ist in Gefahr.

Man muss den Kämpfer für den Fußball nicht unbedingt mögen, seine Verdienste für Deutschland und den FC Bayern sind aber unbestritten. Sicher ist aber auch, dass die Kritiker bereits die Messer wetzen und nur darauf warten, dass der allmächtige Bayern-Boss über die Steuer stolpert und von seinem hohen Ross stürzt. Wer austeilt, der muss auch einstecken können.

Nicht auszudenken, wie Uli Hoeneß den Präsidenten eines gegnerischen Vereins oder Verbandes verbal geprügelt hätte, würde dem in Tagen wie diesen Steuerhinterziehung im großen Stil nachgewiesen werden.

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