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Eine Geschichte über Ironie: Wie Jukic den OSV rettet

 

„Nicht, dass am Ende noch jemand auf die Idee kommt, das Geld zu versaufen.“

Michael Eschlböck schmunzelte, als er mit seiner Aussage seinen vorangegangenen Ausführungen eine humoristische – unüberhörbar auch sarkastische – Note verlieh.

Nämlich, dass es für das aus dem Verbandsranking ausgeschütteten Geld keine Zweckwidmung gebe. Dass die „besten“ 25 Verbände mit den aus dem Erfolgstopf erschlossenen Mitteln machen können, was sie wollen. Höchst bedenklich, wie der Präsident des heimischen Football-Verbands meint.

Im Sinne des Erfinders soll das Geld eine Art Bonus darstellen. Ein Bonus für all jene, die offenbar besonders gut arbeiten und denen gegenüber deshalb ein gewisser Vertrauensvorschuss gerechtfertigt ist.

Prinzipiell kein verkehrter Gedanke. Schließlich werden die Verbände dieses Geld wohl für Dinge gebrauchen, die sie – zum einen – am dringendsten benötigen und für die – zum anderen – keine anderen Fördermittel verwendet werden dürfen. Was auf den ersten Blick banal und einleuchtend klingt, ist umgelegt auf den Schwimm-Verband (OSV) jedoch recht pikant.

Auf Tauchstation

Dinko Jukic wurde aus dem Kader des Projekts Rio gestrichen

Keine großen Funktionärs-Skandale mehr, keine Meldungen mehr über Verbandsgelder, die fragwürdig verwendet wurden und dazu noch der sensationell anmutende vierte Platz in der Verbands-Hitparade. Man könnte fast meinen, dass es die neue OSV-Spitze rund um Präsident Stefan Miklauz geschafft hat, die heimische Chlor-Meute zu Vorzeige-Schülern zurechtzukämmen.

Fast.

Tatsache ist, dass der OSV nach verheerenden Medien-Berichten im Juli die Notbremse zog, die Kommunikation zu kritischen Journalisten praktisch unterband. LAOLA1 etwa wurde nach einem Miklauz-Interview angewiesen, Anfragen künftig an die OSV-Pressestelle zu richten. Diese wurden in Folge aber mangelhaft oder gar nicht mehr beantwortet.

Das Auf-Tauchstation-Gehen verhinderte jedoch nicht, dass sich die Mühlen der Justiz weiterdrehten. Langsam, aber stetig. Nach einem OGH-Urteil wegen des rechtswidrigen Ausschlusses des Salzburger Landesverbandes sind Schadenersatz-Klagen anhängig. In jener des Klubs „Delphin“ fand bereits eine erste Verhandlung statt, in der es um eine Schadenssumme von über 100.000 Euro geht. Die übrigen Klagen könnten gemäß Anwalt Thomas Krankl in den nächsten Wochen folgen.

Auch der Ausschluss des SC Austria Wien wurde von einem Gericht in erster Instanz als unrechtmäßig erachtet. Entgegen anderslautender Ankündigung ging der OSV gegen den Verein von Dinko Jukic in Berufung. Hier könnten auf den Verband ebenso Schadenersatzforderungen zukommen.

Jukic, der Retter?

OSV-Präsident Stefan Miklauz

Da das Sportministerium klar zu verstehen gab, dass für Prozesskosten sowie daraus entstehende Zahlungen keine Förder-Gelder verwendet werden dürfen, liegt es nahe, wofür die aus dem Verbandsranking erschlossenen 335.300 Euro Verwendung finden könnten.

Die Ironie an der Geschichte: Ausgerechnet jener Dinko Jukic, der mit seinen Aussagen das mediale Licht auf die nachgewiesenen Malversationen im Verband lenkte und seither vom OSV bekämpft wird, hat nun möglicherweise einen maßgeblichen Anteil daran, dass der OSV vor dem Konkurs bewahrt wird.

Schließlich tragen sein vierter Platz bei den Olympischen Spielen sowie die Verdienste seiner Schwester und seines Vaters, die dem Schwimm-Sport hierzulande zu ihrem jetzigen Status (TV-Zeiten, Vorbilder für Nachwuchs,…) verhalfen, dazu bei, dass es der Verband auf Rang vier schaffte.

Doch vielleicht denkt die für die Ausschüttung verantwortliche Bundes-Sportkonferenz noch einmal darüber nach, ob es wirklich klug ist, einem Verband 335.300 Euro ohne Zweckwidmung zu überlassen.

Einem Verband, der von Ströck über die Jahre hindurch über eine Million Euro an Sponsorgelder kassierte, von denen weiterhin jede Spur fehlt. Auch wenn seither die OSV-Führung gewechselt hat, fehlt nach wie vor der nachweisliche Wille zur Aufklärung über deren Verbleib.

Ein Kommentar von Reinhold Pühringer

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