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Von der Symptombekämpfung nicht ablenken lassen

Seit fast einem Jahr existiert der Projekt-Rio-Kader nun schon. Die Reaktionen aus den betroffenen Sommersport-Verbänden sind durchwegs positiv.

In der Jahresplanung der Kader-Mitglieder können nun vermehrt finanzielle Kriterien beiseitegeschoben und durch sportliche ersetzt werden. Egal ob im Ringen, Beachvolleyball oder Taekwondo – es hält plötzlich eine in diesen Sparten noch nicht erlebte Professionalisierung Einzug. In einigen Sportarten bekommt der London-geprüfte Sportfan sogar das Gefühl, dass 2012 ein Ausrutscher bleibt.

Doch von diesem Eindruck dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Ablenken davon, dass das Projekt Rio nichts weiter als Symptom-Behandlung ist.

Die Ursachen für das Dahinsiechen des heimischen Sportsystems liegen bekanntermaßen viel tiefer. Bewegungs-Mangel bei Kindern. Veraltete und teils nicht vorhandene Sport-Infrastruktur. Ein undurchsichtiges Fördersystem, welches durch das Projekt Rio eine weitere Ebene bekommen hat. Ein durch politische Dachverbände unnötig aufgeblasener Sportapparat, der mehr kostet, als er bringt.

Nach der Pleite in London herrschte ein Aufschrei, der quer durch alle Bevölkerungs-Schichten ging. Ein Aufschrei, der einen Reform-Wille mit sich brachte, um Strukturen zu ändern.

Dieser darf durch ein paar aufkeimende Medaillen-Hoffnungen nicht in Vergessenheit geraten.

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