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Katarstimmung - Perversion im Wüstensand

 

Die Handball-WM in Katar mag zwar erst wenige Spiele alt sein, doch diese zeichnen ein verheerendes Bild. Ein Bild der Perversion.

Staatschef Tamim bin Hamad Al Thani und dessen Vater ließen für Hunderte Millionen Euro drei Sport-Tempel in die Wüste stellen, die zwar alle Ansprüche moderner Großereignisse erfüllen, hier aber niemand braucht. Nicht einmal während einer Handball-WM.

Bei der Eröffnungsfeier wurde die Lusail Multipurpose Hall, eine für 15.300 Zuschauer konzipierte Arena, gerade einmal halbvoll. Der Schluss liegt nahe, dass es sich dabei um großteils herbeigekarrte Arbeiter handelte, schließlich hatten am nachfolgenden Eröffnungsspiel zwischen „ihrer“ Mannschaft und Brasilien nur noch wenige Interesse. Die Tribünen waren zu diesem Zeitpunkt nur noch rund zu einem Viertel gefüllt. Damit die Stimmung dennoch nicht abriss, wurde vorgesorgt. Eine eigens aus Spanien eingeflogene Fan-Gruppe, denen Tickets und Logis bezahlt wurden, peitschte die katarische Nationalmannschaft, in der acht eingekaufte Spieler stehen, zum Sieg.

Nachhaltigkeit gleich null.

Alleine der Weg nach Lusail stellt die Sinnfrage für sich. Kilometerlang führt eine schnurgerade Straße vorbei am Nichts. Links und rechts von der Asphaltpiste ist nur Schutt und Staub. Für Vegetation ist es zu heiß. Der Bus fährt unter Brücken hindurch, deren Sinnhaftigkeit sich auf die Schnelle nicht erschließt. Nur in großer Entfernung sind einfache Siedlungen auszumachen.

Und inmitten dieses Nichts steht die Multipurpose Hall. Gleichermaßen futuristisch wie unnatürlich. Die nebst den Parkplätzen verlegten Rasenflächen, auf welchen ein Mähtraktor seine Runden zieht, lassen nicht vergessen, dass sich die Besucher hier in der Wüste befinden. Wer soll eine solche Halle in einem Zwei-Millionen-Einwohner-Staat, von dem nur zehn Prozent die Staatsbürgerschaft haben, je füllen können? Niemand.

Einen neuen Grad erreicht die Perversion, wenn man sich die vielen Medienberichte über Zwangsarbeit und moderne Sklaverei in Erinnerung ruft. Wenn man überlegt, wie viele Arbeiter wohl in Lusail durch Unfälle oder aus Erschöpfung ihr Leben ließen.

Der vielen Meldungen zum Trotz stellt sich bei der Eröffnungsfeier Hassan Moustafa, seines Zeichens Präsident des Handball-Weltverbandes, vor das Publikum und erklärt, dass er sich selbst davon überzeugt hat, dass es in Katar keine Zwangsarbeit gibt. Die internationalen Medien würden Lügen verbreiten.

Eine Aussage, die an und für sich zu Moustafa passt. Einen Mann, der auf den eigenen Vorteil bedacht ist. 2010 enthüllte der „Spiegel“ einen Geheimvertrag zwischen dem Ägypter und dem früheren Vermarkter der Handball-Rechte „Sportfive“, wonach er für Lobbyisten-Tätigkeiten jährlich 600.000 Euro abcashte. Praktisch gesehen: Ein Fall von Korruption. Außerdem hob Moustafa sein eigenes Salär um das 15-fache auf 500.000 Euro pro Jahr an.

Also zweifellos einer jener Männer, welche die großen internationalen Sportverbände derzeit so in Verruf bringen. Und so lange es Menschen wie Moustafa an der Spitze gibt, wird es wohl auch Sportgroßveranstaltungen in Katar geben.

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