Warum Ghavami nur ein Schritt von vielen ist

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Ein kleines Mädchen wird von einem Auto überfahren. Sie stirbt am Unfallort. Ihr Vater steht nur wenige Meter neben ihr, als es passiert. Der Lenker steigt aus, spricht mit dem Mann und überlässt ihm als Entschädigung seine kleine Tochter, die im Wagen sitzt. Alle, außer dem toten Körper des Mädchens, gehen wieder ihrer Wege. Ohne Aufschrei, ohne Rettungswagen, ohne Polizei.

Eine für Sie und mich unvorstellbare Szenerie. Völlig surreal. Etwas, das jeglichem Verständnis für Menschlichkeit widerspricht.

Ob sich das tatsächlich so zugetragen hat, lässt sich für mich nicht bestätigen. Bekannte wollen dieses Horror-Schauspiel in Kabul beobachtet haben.

Bei all dem aufkommenden Schrecken verdeutlicht der Umgang mit den beiden Mädchen jedoch, wie sehr sich jenes Wertesystem von dem unseren unterscheidet. Während in Europa über ein Schleier-Verbot, dem vielleicht deutlichsten Symbol des Patriarchats, diskutiert wird, ist man in Ländern wie Afghanistan von einer geschlechtlichen Gleichstellung so weit entfernt wie Miley Cyrus von einem züchtigen Auftreten.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Inhaftierung der Studentin Ghoncheh Ghavami im Iran in einem etwas veränderten Licht.

Das soll keinesfalls bedeuten, dass es jemals gutgeheißen werden kann, einem Menschen aufgrund seines Geschlechts den Besuch eines Volleyballspiels zu verbieten. Es macht uns lediglich darauf aufmerksam, dass eine Kultur, dem ein derartig differentes Geschlechter-Bild innewohnt, noch einen sehr weiten Weg vor sich hat. Es wird viel Zeit und Überzeugungsarbeit benötigen, um Menschen, die von klein auf diese Sichtweise verinnerlicht und als „moralisch richtig“ eingebrannt haben, unsere Werte näherzubringen.

Werte, die unter anderem durch Sport oder auch die Ghoncheh Ghavamis dieser Welt transportiert werden.

#FreeGhonchehGhavami

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