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Foda im Wattebausch

Der Feel-Good-Kokon schützt den Grazer Trainer. Nach außen und vor sich selbst.

Ziemlich genau acht Monate sind vergangen, seit Franco Foda zum SK Sturm zurückgekehrt ist. In Zahlen bedeutet das 26 Partien, von denen der Mainzer die Hälfte gewinnen konnte und weitere sechs Mal zumindest nicht als Verlierer vom Platz gegangen ist. Das heißt in Folge 1,73 Punkte pro Spiel im Schnitt, und außerdem erzielten die Schwarz-Weißen 1,65 Tore pro Partie und sie haben nur 1,04 erhalten.

Liest sich nicht so schlecht, die wichtigeren Informationen zu dieser bisherigen dritten Amtszeit Fodas in Graz sind aber andere. Zunächst: Das bei der Antritts-PK ausgegebene Ziel, das Erreichen eines internationalen Startplatzes, wurde mit dem Sieg am Sonntag gegen die Admira geschafft.

Aber auch das ist noch nicht der entscheidende Zwischenbilanz-Inhalt. Zu einfach ist es in einer Zehnerliga mit fünf Europacupstartplätzen, diese Qualifikation zu schaffen. Viel schwerer wiegen andere, nicht unbedingt punkt- oder tabellenbezogene Faktoren. „Franco Foda ist kein bedingungslos sympathischer Mann“, habe ich letzten Dezember im 12 Meter geschrieben. Das gilt noch immer. Das ist aber auch ein bisschen egal, weil das ganze Konstrukt SK Sturm Graz wieder einen stabileren, einen krisenfesteren Rahmen hat. Und das sowohl sportlich als auch atmosphärisch. Foda ist für manche davon direkt und für manche indirekt verantwortlich.

Da ist zunächst die Art und Weise, wie in Graz Fußball gespielt wird. Auch wenn nicht alles gleich in eine Siegesserie umgemünzt wurde, der Spirit auf dem Feld war doch sehr schnell ein ganz anderer. Vor allem verglichen mit der Divenhaftigkeit der Hyballa-Ära oder der Angestaubtheit der Milanic-Zeit war das schon ganz angenehm für die geneigten Verfolger der schwarz-weißen Grazer. Der neue alte Trainer hat der Mannschaft einen moderneren Anzug verpasst, der ihr weit besser steht als der alte Tweed von Darko Milanic. Und nicht nur sportlich, auch mental wirken die Kicker von Sturm Graz stabiler als noch vor einem Jahr. Dazu gehört auch, dass es Foda geschafft hat, die potenziellen Unruheherde in der Mannschaft zu Teamplayern zu machen oder zumindest vorübergehend stillzulegen. Einer davon darf sich nach andauernd sehr starken Leistungen seit dieser Woche sogar Nationalspieler nennen.

Und Franco Foda hat während seiner Abwesenheit in Graz nichts an Anziehungskraft verloren. Der Zuschauerschnitt stieg unmittelbar nach seiner Verpflichtung. Trotzdem auch Darko Milanic anfangs durchaus die Gunst des Publikums gehabt hat, haftet am Deutschen seit der Wiederkehr fast ein wenig das „Heimkehr des verlorenen Sohnes“-Image. Als wäre seine Entlassung in der Saison nach dem letzten Titel so etwas wie ein Irrtum gewesen, der nun korrigiert worden ist. Nicht nur die Längsseiten-Stadionbesucher begrüßen Foda, auch die Fangruppen stehen nach anfänglicher Skepsis eindeutig hinter ihm. Die Sprechchöre letztens in der Südstadt waren nicht zu überhören.

Der Rahmen passt also, aber auch intern fügt sich im Moment alles zugunsten des Übungsleiters. Der Präsident hält sich tatsächlich erstmals schon länger mit Merkwürdigkeiten und überflüssigen Bemerkungen zurück. Alle anderen Funktionäre und sonstigen „Gönner“ haben derzeit ebenfalls keine Meinung (=Störfeuer) zu der sportlichen Entwicklung. Lange her, dass das beim SK Sturm so der Fall war. Foda hat es außerdem in kürzester Zeit geschafft, das alleinige sportliche Gesicht des Vereins zu werden. Er nimmt damit einiges an Last von Manager Gerhard Goldbrich, der daran fast zu zerbrechen drohte und oftmals ein wenig ungeschickt agiert hat.

Nicht zuletzt wurde Franco Foda dieses sportliche Gesicht, weil ihm die steirische Medienlandschaft fast schon bedingungslos treu folgt. Kritische Auseinandersetzung ist wieder ein Fremdwort geworden in Graz, da lässt es sich natürlich leicht arbeiten. Nach einer Serie von vier Spielen ohne Sieg hätte sich Peter Hyballa damals was anhören können. Jetzt ziehen weiter alle an einem Strang, die Medien ziehen mit. Momentan lebt der Trainer wie ein Hamster in seinem mit Watte gefüllten Hamsterhaus.

Er tut sich leicht, guter Laune zu sein und diesen „neuen Franco“ zu verkaufen, der er nach Eigenzuschreibung nach dem gescheiterten Kaiserslautern-Engagement durch Selbstreflexion geworden sein will. Foda hat seine Sache bisher gut gemacht. Er hat den SK Sturm stabilisiert und wieder in ruhigere Gewässer geführt. Aber es spielt ihm auch alles in die Karten. Ob er sich menschlich tatsächlich so sehr weiterentwickelt hat, zeigt sich dann, wenn die Watte einmal weg ist und der Wind rauer bläst.


 

Jürgen Pucher war Gründungsmitglied der Plattform „sturm12.at“ und hat dort über Jahre hinweg mit seiner Kolumne „12 Meter“ die Diskussionen rund um den Grazer Verein und den österreichischen Fußball extrem bereichert. Ab sofort wird er in regelmäßigen Abständen bei LAOLA1 Gastkommentare zum Geschehen im heimischen Kick verfassen.

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