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Doch noch Feuer statt Fadesse?

Es brennt und prickelt wieder im heimischen Kick. Über einen Umfaller von Red Bull wird zumindest ein bisschen nachgedacht und in Liga zwei steuert man auf einen Monster-Abstiegskampf zu.

Wochen- und monatelang dümpelten in der laufenden Saison die heimischen Profiligen vor sich hin und es wollte so gar keine Spannung aufkommen. Ob in der Bundesliga nun die Admira, Wiener Neustadt oder Grödig absteigt, ist der breiten Öffentlichkeit relativ wurscht. Nur jeweils ein absolutes Nischenpublikum zählt als Anhang dieser Vereine. Und dass Red Bull Meister wird, hat von Runde eins weg eigentlich niemals jemand hinterfragt.

Es ging im medialen und im Fandiskurs eigentlich nur um die Plätze. Fad also. Der erwähnte Abstiegskampf hat sich mittlerweile auf die Admira und Wiener Neustadt reduziert, die Mannen vom Untersberg dürften zumindest die sportlichen Sorgen los sein. Vorne haben die Salzburger sechs Punkte Vorsprung auf Rapid und acht auf Sturm. Sechs Punkte? Gar nicht so viel eigentlich, oder? Zu spielen sind immerhin noch sieben Runden.

Das ist inzwischen einigen aufgefallen. Viele Umfaller darf sich die Hütter-Truppe nicht mehr leisten, sonst wird es noch knapp. Die Fans in Graz und Wien haben bereits Lunte gerochen. Und nicht zuletzt mischen auch die Canadi-Boys als Außenseiter noch kräftig mit. Altach ist nur einen Punkt hinter Sturm. Rapid und Red Bull müssen außerdem noch ins Ländle. Es wird jedenfalls in der Bundesliga nicht mehr nur um den zweiten Champions League-Platz gestritten. Könnte nicht vielleicht doch noch…? Wenn Red Bull einmal umfällt sind es eventuell nur noch drei Punkte…! Solche Aussagen hört man vor allem aus dem schwarz- und grün-weißen Lager in den letzten Tagen immer öfter. Plötzlich ist wieder Feuer in der Liga und in der Fanseele regt sich seit Langem einmal etwas. Der Schlager zwischen Graz und Wien am 3. Mai ist bereits ausverkauft, das erste Mal seit 2011 hat Sturm das Liebenauer Stadion wieder voll bekommen.

Natürlich ist die Salzburger Fußballfranchise des Getränkekonzerns weiterhin absoluter Favorit. Aber das eine oder andere Mal haben sie schon Nerven gezeigt. Auch Trainer Adi Hütter spürt, dass er nicht unumstritten fest im Sattel sitzt und ist deshalb nicht unbedingt ein Ruhepol nach außen. Wenn in den nächsten Runden ein Ausrutscher passiert und von hinten einer auf die Pelle rückt, wird diese Meisterschaft vielleicht doch noch zu einer Nervenschlacht. Schön wär’s. In jedem Fall ist wieder Brisanz da. Das erfreut den geneigten Beobachter der Szenerie.

Medial ein wenig unter dem Radar spielt sich außerdem der absolute Wahnsinn in der zweiten Liga ab. Vom viertplatzierten KSV bis zum Duo Horn und Hartberg, die derzeit die beiden Abstiegsplätze neun und zehn bekleiden, sind es gerade einmal sechs Punkte. Mehr als wahrscheinlich also, dass eine Reihe von Vereinen bis zur allerletzten Runde noch absteigen wird können. Durch den knappen Abstand einerseits und der Tatsache der zwei Fixabsteiger andererseits. Ob dieser Modus bei einer Zehnerliga besonders glücklich ist, sei dahingestellt. Eine spannende Konstellation ist es jedenfalls.

Und die Panik steigt in der zweithöchsten Spielklasse. Sogar Peter Pacult kam so nach knapp zwei Jahren Pause wieder zu einem Engagement als Trainer. Als alle sich damit anzufreunden begannen, dass den Ex-Rapid-Coach ein Hans Krankl-Schicksal ereilt, hat der FAC seinen Nachbarn und Dauergast im Stadion zum Trainer gemacht und Hans Kleer vor die Tür gesetzt. Mission: Am Ende über dem Strich bleiben, wie ist egal. Will man den Floridsdorfern Böses, könnte man sagen: Für den (möglichen) kurzen Impuls opfert man langfristige Aufbauarbeit. Für Gesprächsstoff sorgten außerdem die Entlassung von Karl Daxbacher beim LASK und sein unmittelbar darauffolgendes Engagement beim Ligakonkurrenten aus St. Pölten für die kommende Saison. Überhaupt sitzen nur noch in Mattersburg, Kapfenberg und Liefering jene Trainer auf der Bank, die die Spielzeit dort auch begonnen haben.

So lohnt sich also sogar bei der sonst scheintoten Profiliga zwei ein verstärktes Hinschauen. Sollte der nicht unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Austrias aus Klagenfurt und Salzburg den Aufstieg schaffen, wäre diese Liga im nächsten Jahr außerdem gespickt mit Traditionsvereinen. Die ärgerliche Optik, dass wohl der Red Bull-Ableger FC Liefering Meister wird und trotzdem der SV Mattersburg aufsteigt, lassen wir jetzt vorsorglich weg. Dass mit den Burgenländern ein Dorfklub den anderen in der ersten Liga ersetzen wird auch. Diese typisch österreichischen Ligaspezifika verderben uns sonst wieder den Appetit.


 

Jürgen Pucher war Gründungsmitglied der Plattform „sturm12.at“ und hat dort über Jahre hinweg mit seiner Kolumne „12 Meter“ die Diskussionen rund um den Grazer Verein und den österreichischen Fußball extrem bereichert. Ab sofort wird er in regelmäßigen Abständen bei LAOLA1 Gastkommentare zum Geschehen im heimischen Kick verfassen.

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