Das Fan-Nachwuchs-Problem

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Die Bundesliga hat ein Fan-Nachwuchs-Problem

Nicht ganz eine Woche vor dem Saisonstart hat die Bundesliga ein Ziel für 2020 ausgegeben – einen Zuschauerschnitt von 10.000 Fans pro Spiel. In der vergangenen Spielzeit waren es 6.576 Menschen, die die durchschnittliche Bundesliga-Partie besucht haben.

Einige in der UEFA-Fünfjahres-Wertung hinter Österreich befindliche Länder hatten einen höheren Schnitt: Dänemark, Israel, Norwegen, Polen, Schottland und Schweden. Insgesamt sind die Zahlen der österreichischen Liga im europäischen Vergleich aber nicht schlecht, wenngleich natürlich wenig berauschend. Das Problem wird sich nicht so einfach lösen lassen, da mag das Nationalteam noch so erfolgreich sein.

Natürlich werden die infrastrukturellen Maßnahmen, die nun nach und nach getroffen werden, die Zuschauerzahlen anheben – nicht zuletzt das neue Stadion des SK Rapid. Das Hauptproblem ist aber ein anderes – der Fan-Nachwuchs.

Jugendliche und junge Erwachsene in Österreich sind zwar oft Fußballfans, aber nur selten auch Fans eines österreichischen Vereins. Klubs wie Barcelona, Real Madrid, Manchester United, Bayern München, etc. fallen wesentlich öfter als etwa Rapid, Austria, Salzburg oder Sturm, wenn man junge Menschen nach ihrem Lieblingsverein fragt. Durch die weltweite TV-Vermarktung ist die Fußballwelt enger zusammengerückt. Während es vor einiger Zeit noch schwer war, Spiele aus Spanien, England und Deutschland regelmäßig zu sehen, ist das heute kein Problem mehr. Ist es den „Digital Natives“ zu verdenken, dass sie am Wochenende lieber gemütlich vor dem Bildschirm eine Barca-Gala beobachten, als sich im Stadion einen Kick zwischen – nicht böse gemeint, nur ein Beispiel – der Admira und Grödig zu Gemüte zu führen?

Vermutlich das einzige Argument, das für einen Besuch eines Spiels spricht, ist das Stadion-Erlebnis. Die Stimmung in einem Fansektor einer aktiven Szene hat unbestreitbar das Potenzial, junge Menschen zu ködern. Doch der Umgang der Vereine und der Bundesliga allgemein mit der Subkultur der „Ultras“ hat den Jugendlichen in den Stadien in den vergangenen Jahren immer mehr Freiheit genommen. Die grundsätzliche Überlegung hinter dieser vermeintlichen Überregulierung ist die Schaffung eines familienfreundlichen Stadions.

Doch dabei wird der übliche Fan-Kreislauf wohl nicht so ganz bedacht. Meistens sind es die Eltern oder andere Verwandte, die Kinder erstmals mit ins Stadion nehmen. Die Attraktivität des Spiels begeistert die Kleinen dabei aber nicht, es ist das Drumherum – die Menschen, die Lautstärke, die Fahnen, die Trommeln… In der Pubertät wird es dann „uncool“, mit den Erwachsenen im neutralen Sektor zu sitzen, also geht man mit seinen Freunden auf die Fantribüne. Was dann kommt, ist in der Entwicklung jedes jungen Menschen normal – es wird gegen Autoritäten rebelliert, es werden Grenzen ausgetestet und natürlich gelegentlich auch überschritten. Irgendwann ist man dann erwachsen, der Subkultur entwachsen, im Mainstream angekommen und geht es ruhiger an also wieder auf eine Sitzplatztribüne, auf die man in weiterer Folge auch seine Kinder mitnimmt. Und der Kreislauf beginnt von vorne.

Weil sich mittlerweile aber immer mehr Jugendliche von internationalem Spitzen-Fußball mehr angezogen fühlen als von österreichischen Stadien, in denen es immer schwerer fällt, mehr oder weniger autonome Räume zu finden, droht dieser Fan-Kreislauf durchbrochen zu werden. Das sollte bedacht werden, bevor das nächste Verbot, das den sowieso kaum mehr vorhandenen Freiraum von Fanszenen weiter einschränkt, ausgesprochen wird. Andererseits muss natürlich schon sichergestellt werden, dass Gesetze eingehalten werden – Körperverletzung und Wiederbetätigung, um zwei Beispiele zu nennen, sind auch auf Fantribünen zu verfolgen. Nur mit dem nötigen Fingerspitzengefühl können die zahlungskräftigen „Kunden“ von morgen, die heute noch als Störfaktoren betrachtet werden, bis 2020 und darüber hinaus den Zuschauerschnitt in Österreichs höchster Spielklasse über die 10.000er-Grenze heben.

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