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Zeitlupe Prantl

 

Provinzialismus und Reform-Unwille

Der Mittwoch war kein guter Tag für den österreichischen Fußball. Gleich in zwei Fällen wurde offenkundig, dass Provinzialismus und Unwille zu ernsthaften Reformen den österreichischen Kick fest in ihren Händen halten. Das eine unsägliche Ereignis fand in Innsbruck statt, das andere am Wiener Flughafen.

In Tirol wurde Sportdirektor Oliver Prudlo abgesägt. Zweifelsohne ein überaus fähiger Mann, der mit überaus begrenzten finanziellen Mitteln gute Arbeit leistete. Solange er zumindest ein wenig Handlungsspielraum hatte. Nun aber geht es um die Lizenz. Und da hat die Politik ein Rettungspaket geschnürt. Dieses wird dem FC Wacker aber nur unter gewissen Auflagen überreicht. Laut Aussage von Klub-Boss Kaspar Plattner in der „TT“ war eine Ablöse Prudlos „quasi ein Muss bei den Vertragsabschlüssen“.

Es hat den Anschein, als ob sich der Verein erpressen hat lassen. Denn eine „Tiroler Galionsfigur“ soll Prudlo nachfolgen. Offenbar ist dem bisherigen Sportdirektor der Umstand, in Wien zur Welt gekommen zu sein, zum Verhängnis geworden. Das ist Wahnsinn – anders kann man das nicht ausdrücken. Zudem ist damit wohl auch klar, wohin ein – vermutlich nicht geringer – Teil der Finanzspritze fließt: in die Abfindung Prudlos und in die Bestellung seines Nachfolgers. Der Tiroler Regionalstolz hat dem Klub also einen der besten Sportdirektoren des Landes gekostet. Gratulation!

Am Flughafen in Wien-Schwechat wurde praktisch zur gleichen Zeit vom ÖFB-Präsidium das „neue“ Ligenformat beschlossen. Übrigens mit einer Gegenstimme – jener aus Tirol. Was dabei herausgekommen ist? Kurz gesagt: Eigentlich nichts. Ein fauler Kompromiss, der keinerlei Fortschritt erkennen lässt. Bis auf minimale Änderungen bleibt alles, wie es war. Oder wie es Bundesliga-Präsident Hans Rinner ausdrückt: „Diese Lösung ist kurzfristig kein großer Fortschritt.“ ÖFB-Boss Leo Windtner sagt: „Leider ist damit kein Reformschritt gelungen.“ Dementsprechend wahnwitzig ist es aber, dieses Ligenformat (gilt ab 2014/15) gleich auf sechs Jahre festzuschreiben.

Es hat den Anschein, als ob die größte Sorge des österreichischen Fußballs die Teilnahme von mehr als drei Amateurteams an einer Regionalliga ist. „Sollte ein vierter Amateurverein aufstiegsberechtigt sein, muss dieser gegen das schlechtest platzierte Amateurteam in der Regionalliga Relegation spielen“, ist einer der „Reform“-Punkte. Das könnte zu folgender kuriosen Konstellation führen: Wenn in einer Regionalliga die ersten drei Plätze von Amateurteams belegt werden und gleichzeitig eine Liga darunter ein Amateurteam aufstiegsberechtigt wäre, spielt der Dritte der Regionalliga eine Relegation gegen den Abstieg. Gleichzeitig würde der Viertplatzierte (sofern er überhaupt einen Lizenz-Antrag gestellt hat), weil das beste Nicht-Amateurteam eine Relegation – wobei hier der Modus nicht einmal noch feststeht – um den Aufstieg spielen. Gratulation!

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