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Zeitlupe Prantl

 

Wer in Schönheit stirbt, ist trotzdem tot

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Dem einen mag das gefallen, dem anderen nicht. Es ist aber ein Fakt, den es anzuerkennen gilt.

Und wie fast überall im Kapitalismus geht es auch im Fußball um Ergebnisse. Wer mehr Tore schießt, hat gewonnen. So einfach ist dieses Spiel. Auch deshalb lieben wir es. Es gibt keine Extrapunkte für Ballbesitz, raffinierte Tricks, attraktives Kurzpassspiel.

Also gilt es zu akzeptieren, dass Chelsea nach einem 1:0-Heimsieg und einem 2:2 auswärts gegen Barcelona im Finale der Champions League steht. Nicht nur zu akzeptieren, auch zu respektieren. Die Londoner haben keines der beiden Spiele verloren. Von Ungerechtigkeit kann da keine Rede sein.

Das „schöne Spiel“? Für Fans natürlich nett anzusehen, aber für Spieler und Trainer nur eine Draufgabe. Für sie zählt der Erfolg. Daran werden sie auch gemessen. Wer in Schönheit stirbt, ist trotzdem tot. Frag‘ nach in Kapfenberg.

Und Kritik an der Ausrichtung des Chelsea-Spiels ist völlig unangebracht. Was hätte Trainer Roberto di Matteo denn tun sollen? In Unterzahl auswärts gegen Barcelona stürmen? Er wäre für diese Risikobereitschaft medial gesteinigt worden. Und hätte den 19. Mai vor dem Fernseher verbracht.

Doch er hat sich verständlicherweise anders entschieden. Und einen Weg gefunden, den großen FC Barcelona, die vermeintlich beste Mannschaft der Welt, aus dem Bewerb zu werfen. Dafür gebührt ihm und seinen Spielern größter Respekt.

Ob einem das Defensivspiel der „Blues“ nun gefallen mag, oder nicht. Am Ende geht es um Leistung. Chelsea hat sie erbracht.

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