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Zeitlupe Prantl

 

Tiki Taka ist nicht tot

Eine Gruppe alternder Don Juans fällt in eine Bar ein und lässt ihre üblichen Anmachsprüche vom Stapel. Das hat immer noch zum Erfolg geführt. Doch diesmal sind sie dermaßen uninspiriert vorgetragen, dass die Don Juans nicht zum Schuss kommen. Irgendwie ist der Charme verloren gegangen, der Hunger längst gestillt.

Während dieselben Don Juans zu ihren wilden, stürmischen Zeiten noch völlig niedergeschlagen die Bar verlassen hätten, wird die erteilte Abfuhr diesmal schlicht zur Kenntnis genommen, vielleicht ein wenig gramgebeugt, aber Welten brechen keine mehr zusammen.  Es wäre ja nur eine weitere Markierung am Bettpfosten, auf dem schon so viele große Nächte dokumentiert wurden, gewesen.

Die spanischen Don Juans haben ausgedient. Jahrelang haben sie den Weltfußball verzaubert, die Herzen so vieler Fans erobert. Nun ist Schluss. Es war ein jähes Ende. Ein Torverhältnis von 1:7 nach zwei Spielen – der amtierende Weltmeister verabschiedet sich in der kürzest möglichen Zeit aus Brasilien.

Doch wer nun das Ende des Tiki Taka beschwört, liegt falsch. Jene Idee, die im vergangenen Jahrzehnt zur spanischen Identität geworden ist, hat noch nicht ausgedient. Freilich wurden mittlerweile (Pressing-)Strategien entwickelt, die es schwer machen, dass Ballbesitz-Spiel erfolgreich vorzutragen. Unmöglich ist es aber nicht.

Es braucht nur neue Don Juans, junge Don Juans, hungrige Don Juans. Sie werden die üblichen Anmachsprüche wieder mit mehr Inspiration vortragen, weil ihre Bettpfosten noch jungfräulich sind. Und sie werden damit wieder Herzen erobern. Natürlich wird die ein oder andere neue Facette hinzugefügt. Aber die Idee bleibt die gleiche.

Tiki Taka ist nicht tot, es verabschiedet sich nur jene Generation, die es geprägt hat.

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