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Zeitlupe Prantl

 

Diese Saison bringt unseren Fußball weiter

Diese Bundesliga-Saison hat den österreichischen Fußball weitergebracht. Das mag angesichts der bevorstehenden Europacup-Teilnahme des SV Grödig und des SKN St. Pölten schwer zu glauben sein, ist aber so.

Es ist vorhersehbar, dass die beiden Überraschungsteams, auch wenn es ihnen von Herzen zu wünschen ist, Österreich in der Fünfjahres-Wertung zu keinen großen Sprüngen nach oben verhelfen werden. Viel wichtiger ist aber der langfristige Effekt, den die abgelaufene Spielzeit haben wird. In vielerlei Hinsicht waren die vergangenen Monate ein Augenöffner für all jene, die im heimischen Kick das sagen haben.

Sieht man sich die drei Trainer, die die Titel bzw. einen Finaleinzug geholt haben, an, sticht eine Gemeinsamkeit ins Auge: Roger Schmidt (Meister), Gerald Baumgartner (Cupfinalist) und Damir Canadi (Aufsteiger) können allesamt auf keine glorreiche Vergangenheit als Spieler zurückblicken.

Ihre – alles andere als zufällig herbeigeführten – Erfolge sollten nun endgültig klar gemacht haben, dass man keine Vita mit zig Länderspielen und Titeln benötigt, um ein Team zu coachen. Was in Deutschland schon seit Jahren Realität ist, wird in Folge dieser Saison auch hierzulande Einzug halten – Trainer-Scouting.

Dass es noch viel mehr Menschen mit den Fähigkeiten der drei eben genannten Herrschaften gibt, ist klar. Dass es ihnen schwerer als nötig gemacht wird, ihr Können unter Beweis zu stellen, ebenso. In diesem Zusammenhang ist es nicht zuletzt notwendig, die Zugangsvoraussetzungen zur Trainerausbildung gründlich zu überdenken – in zweierlei Hinsicht. Einerseits ist es fragwürdig, warum körperliche Eignungstests von Nöten sind. Andererseits hätte es so mancher verdienter Figur offensichtlich nicht schlecht getan, etwas früher als erst beim Kurs für die UEFA-B-Lizenz in die Ausbildung einzusteigen.

Ein zweiter Trend, der 2013/14 deutlich wurde, war das neue sportliche Selbstvertrauen. Angeführt von Roger Schmidt und Adi Hütter setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Zeit der biederen Defensiv-Taktiken vorbei ist. Es wird früh attackiert und viel Wert auf die Offensive gelegt.

Noch vor wenigen Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, dass ein notorischer Abstiegskandidat wie Wiener Neustadt im Winter den Versuch unternimmt, seine Spielausrichtung derart offensiv zu gestalten. Das führt zu mehr Toren und Attraktivität. Und angesichts der Allgegenwart wesentlich besserer Fußball-Ligen aus dem Ausland ist das eine Grundvoraussetzung, um zumindest ein paar Menschen in die Stadien zu locken.

Die dritte Erkenntnis dieser Saison ist keine neue. Allerdings darf das Abschneiden der Wiener Austria, die als Titelverteidiger einen internationalen Startplatz verpasst hat, als brandaktuelles und warnendes Beispiel für alle Profi-Kicker dieses Landes herhalten.

Auch wenn man einen Platz am internationalen Festbankett, auf dem Tapas, russischer Kavier und Portwein serviert werden, ergattert, muss man auch für die Zwischengänge, die Tiroler Gröstl und Kärntner Kasnudeln bereithalten, genug Hunger haben. Gelingt das nicht, kommt langfristig gesehen nur noch biedere Hausmannskost auf den Teller.

Wenn also die richtigen Lehren aus den offensichtlichen Tatsachen der Zeit zwischen Juli 2013 und Mai 2014 gezogen werden, geht es mit dem österreichischen Fußball bergauf. Ungeachtet des mutmaßlichen Abrutschens in der Fünfjahres-Wertung wird auf diese Saison hoffentlich schon bald als entscheidenden Denkanstoß zurückgeblickt.

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