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Zeitlupe Prantl

 

Juventus auf dem Weg zurück

Zum zweiten Mal in Folge hat Juventus souverän den italienischen Meistertitel gewonnen. Die Turiner dominieren die Serie A aktuell nach Belieben. Dahinter geht es denkbar spannend zu. Auch, weil Mannschaften wie Napoli, Fiorentina und Lazio einen großen Schritt nach vorne gemacht haben.

Dennoch hinken die italienischen Vereine international immer noch hinterher. Juve-Coach Antonio Conte drückt es so aus: „Ich sehe keine Möglichkeit für irgendeine italienische Mannschaft, in den nächsten Jahren die Champions League zu gewinnen. Es hat sich ein ganz enormes Loch aufgetan.“

„Ich muss lachen, wenn ich höre, dass man mit zwei, drei Verstärkungen die Champions League gewinnen könnte. Der italienische Fußball ist stehen geblieben und das muss allen klar werden. In anderen Ländern investiert man und verfolgt Projekte, hier diskutieren wir über Schiedsrichter und über die Frauen, mit denen die Spieler ausgehen.“

Wenn man die Spielstätten Italiens mit jenen der deutschen Bundesliga und der Premier League vergleicht, werden die infrastrukturellen Probleme offensichtlich. Im Verfall begriffene Betonschüsseln stehen High-Tech-Arenen gegenüber.

Doch Juventus hat zuletzt einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die „alte Dame“ hat im September 2011 ihr neues Stadion eröffnet. Das Besondere daran: Das Juventus Stadium befindet sich im Besitz des Vereins – ein Novum in Italien. Was in so mancher Top-Liga fast selbstverständlich ist, stellt in diesem Fall also einen klaren Wettbewerbsvorteil dar.

Alleine durch den Verkauf der Namensrechte – 120 Millionen Euro von Samsung für die kommenden fünf Jahre sind im Gespräch – kann Juve sein Budget ordentlich aufpeppen. Udinese wird übrigens bald der zweite Serie-A-Verein mit einem eigenen Stadion sein.

Angesichts der ständig beklagten finanziellen Probleme italienischer Klubs muten die Transfer-Ausgaben jedoch ein wenig kurios an. Laut „transfermarkt“ haben die Vereine der Serie A in dieser Saison insgesamt 25,6 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Innerhalb Europas ist das Minus nur in der Premier League und in der russischen Premier Liga größer.

Wie dem auch sei: Juventus befindet sich auf einem guten Weg. Bei der Zusammenstellung des Kaders wurde zuletzt darauf geachtet, Spieler zu verpflichten, die ihre besten Jahre noch vor sich haben – etwa Paul Pogba, Kwadwo Asamoah und Arturo Vidal. Auch mit Trainer Conte, der seit 2011 im Amt ist, wird langfristig geplant. Und in finanzieller Hinsicht wird darauf hingearbeitet, nicht mehr allzu sehr von den Launen der Familie Agnelli abhängig zu sein.

Man kann darüber diskutieren, ob Juve heute auch so dastehen würde, wenn nach dem Manipulationsskandal 2006 nicht der Gang in die Serie B angetreten hätte werden müssen. Nach dem Wiederaufstieg hat der Verein die Konkurrenz aus Mailand nämlich in jeglicher Hinsicht sofort wieder überholt.

Dass der Weg zurück zur absoluten Spitze noch weit und beschwerlich ist, steht außer Frage. Oder wie es Conte ausdrückt: „Wenn man Geld hat, kann man kaufen und gewinnen. Wenn nicht, braucht man Geduld. Es braucht Zeit, um sich in Europa entwickeln zu können, aber das wussten wir vorher.“

Die Voraussetzungen, dass diese Geduld auch tatsächlich aufgebracht wird, sind besser denn je.

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