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Zeitlupe Prantl

 

Morattis Kampf um Inters Identität

Der Transfer von Aleksandar Dragovic ist nur eine marginale Baustelle für Inter Mailand.

Denn im Hintergrund laufen viel wesentlichere Verhandlungen. Es geht um die Zukunft des Vereins, seine Eigentümerschaft und Ausrichtung. Seit Monaten befindet sich Öl-Tycoon Massimo Moratti in Gesprächen mit dem Indonesier Erick Thohir.

Letzterer ist in seiner Heimat einer der größten Medien-Mogule und auch im Sport kein Unbekannter. Der bekennende Basketball-Fan ist nicht nur Präsident des südostasiatischen Basketball-Verbands und Besitzer zweier Teams in seiner Heimat, sondern auch Teil-Eigentümer der Philadelphia 76ers. Zudem hält er die Mehrheit beim US-Fußball-Klub D.C. United.

Und nun will er eben auch in Europa Fuß fassen. Doch die Verhandlungen mit Moratti spießen sich. Während der Italiener nur 40 Prozent des Vereins, der sich seit Jahrzehnten in Familien-Besitz befindet, veräußern will, möchte Thohir zumindest die Mehrheit, wenn nicht sogar den ganzen Klub.

Die Lage ist verzwickt. Denn die „Nerazzurri“ benötigen zusätzliche Investments, um an der Spitze der Serie A mithalten zu können. In den vergangenen Jahren wurden die Mailänder nämlich rechts und links von mehreren Konkurrenten überholt. Vor allem Juventus Turin hat sich nicht zuletzt aufgrund des neuen Stadions – das einzige in Italien, das einem Klub gehört – deutlich abgesetzt.

Dass Thohirs Millionen aushelfen können, ist unbestritten. Zudem wird damit spekuliert, dass der Indonesier auch den Bau eines eigenen Stadions mitfinanzieren würde.

Thohir allerdings die Macht zu übertragen, birgt einige Gefahren. Während Morattis Herz am Projekt Inter hängt, will der Asiate mit dem Klub freilich nur Geschäfte machen. Sollte sich das als schwierig herausstellen, könnte er bald schon wieder weg und Inter in ernsthaften Problemen sein.

Aktuell hat es aber den Anschein, als ob Moratti das Tauziehen für sich entscheiden könnte. Thohir wird wohl mehr oder weniger gleichberechtigter Partner. Für die Zukunft des Mailänder Traditions-Vereins kann es nur positiv sein, wenn Moratti an Bord bleibt. Freilich hat der Klub-Boss in letzter Zeit einige Fehler gemacht, doch sein Verbleib würde definitiv die Identität der „Nerazzurri“ wahren.

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