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Zeitlupe Prantl

 

Der Austria nichts schuldig

Auf Thomas Parits kommen wieder arbeitsame Zeiten zu. Der Sportvorstand der Wiener Austria bastelt am Kader für das Frühjahr und die kommende Saison. Nicht weniger als neun Optionen können die Violetten ziehen, sieben Verträge laufen aus.

In Wien-Favoriten dauert es traditionell ein wenig, ehe alle Spieler Gewissheit haben. Ende Dezember muss das Budget abgesegnet, erst dann können konkrete Gespräche aufgenommen werden.

Am Verteilerkreis hofft man, dass bereits im Winter zwei Stammkräfte abgegeben werden können. Dass Zlatko Junuzovic und Florian Klein ihre Verträge über den Sommer hinaus verlängern, ist de facto auszuschließen. Um Ablöse zu kassieren, müssten sie also im Jänner verkauft werden. Doch das ist nicht so einfach.

Beide sind sehr besonnene Charaktere, die sich ihren nächsten Schritt genau überlegen werden. Schnellschüsse sind ihre Sache nicht. Es ist also gut möglich, dass der FAK das Duo im Sommer ablösefrei ziehen lassen muss. Erst zu gehen, wenn der Vertrag endet, ist das gute Recht der Spieler.

Ihnen danach deswegen den Vorwurf zu machen, nicht im Interesse des Vereins gehandelt zu haben, wäre absurd. Immer wieder wird damit argumentiert, die Kicker müssten dem Klub „etwas zurückgeben“. Dabei wird oft vergessen, dass die beiden das tun. Woche für Woche.

Die Bilanz von Junuzovic ist Beleg genug dafür, dass der Mittelfeldspieler mit dem Kopf stets bei der Austria ist, sich nie hängen lässt. Auch der Umstand, dass sich der 24-Jährige eher in der Zentrale, denn am Flügel sieht, war für ihn nie ein Grund, um sich großartig zu beschweren. Von seinem Berater wird er Interessenten auch als zentraler Mittelfeldspieler angeboten, was zu Problemen führt, wenn ihn die Vereine dann auf dieser Position beobachten wollen.

Und Kleins Einsatzstatistik ist überaus beachtlich. Der Oberösterreicher spielte im Herbst phasenweise mit Schmerzen, biss aber die Zähne zusammen und hing das nie an die große Glocke.

Beide haben zweifelsohne ihre Schuldigkeit getan und werden das auch weiterhin tun – bis sie die Austria verlassen. Dass das dem Klub nicht wirklich schmeckt, liegt auf der Hand.

Zumal dieser die Strategie verfolgt, potenzielle Nachfolger schon zu verpflichten, bevor der jeweilige Spieler geht. Das ist eine finanzielle Herausforderung. Dass Spieler im Winter Ablöse kosten, ist klar. Also muss mit dem abgebenden Verein geschickt verhandelt werden (Stichwort Ratenzahlung).

Parits‘ Dezember mag für den AG-Vorstand gewiss viel bringen, Besinnlichkeit aber nicht.

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