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Zeitlupe Kastler

 

SOKO Witz

Nein, Stefan Schwab war nicht enttäuscht. Auf die nicht ganz ernst gestellte Frage, ob es für ihn verkraftbar sei, dass Rapid bei der Sportler-Wahl 2015 nicht „Mannschaft des Jahres“ wurde, musste der Nationalteamspieler lächeln. Dass der Vizemeister überhaupt nominiert war, zeigt, dass die Wahl offenbar nicht von jedem wahlberechtigten Sportjournalisten ganz ernst genommen wird. Was sehr schade ist, denn die „Gala Nacht des Sports“ bietet an sich einen schönen Rahmen für die Würdigung der besten Sportler dieses Landes. Und Sport ist den Menschen in diesem Land offenbar wichtig, sonst hätte uns ORF-Sportchef Hans Peter Trost nicht am Donnerstagabend erzählt, dass sieben der zehn höchsten Zuschauerraten dem Sport geschuldet sind. So sollten auch die Wahl und die Gala auf diesem Level mitspielen, was sie nicht immer tun.

Denn es steckt nach wie vor sehr viel Potenzial drin, auch wenn zweifellos einige positive Punkte hervorzuheben sind: Der erste Live-Auftritt von Kira Grünberg nach ihrem Unfall war für sie selbst und die 1600 Gäste im Saal absolut bewegend. DER Moment des Abends. Gänsehaut pur. Die Laudatio von Sympathieträger Herbert Prohaska für Special-Award-Gewinner Marcel Koller (Muss man ihm zwingend einen Award schenken, damit er seinen Vertrag verlängert?) war wirklich lustig. Das Austria Center Vienna bot eine entsprechende Bühne für jene Helden, die sich im Kalenderjahr ausgezeichnet haben. Und dass die Gala zur Primetime in ORF 1 ausgestrahlt wird, ist nur würdig und recht. Genauso würdig und recht, wie die Tatsache, dass der Reinerlös gänzlich der Förderung von Österreichs Nachwuchs- und Spitzensportlern zugutekommt. So weit so wunderbar.

Jakob Seeböck und Julia Cencig bei der Gala Nacht des Sports

Doch gewisse Dinge muss man hinterfragen: Warum etwa muss der ORF manch sport-uninspirierte Serien-SchauspielerIn auf die Bühne stellen und sie oder ihn auch noch mit schlecht geschriebenen Gags in die Bredouille bringen? Sorry, Jakob Seeböck und Julia Cencig - die Ermittlungen der SOKO Witz waren weniger erfolgreich als jene von SOKO Kitz... Und warum darf eigentlich neben der stets professionellen Mirjam Weichselbraun Rainer Pariasek die Show noch immer moderieren? Der vor der Auszeichnung „Sportlerin des Jahres“ von einer „sehr schön anzusehenden“ Kategorie sprach (muss das sein?) und später bei der „Mannschaft des Jahres“ ein „Immer wieder Österreich“ laut anstimmte (muss das wirklich sein?). Er mag – warum auch immer – der Sport-Anchorman des Landes sein, doch liegt er nicht nur in puncto Information (wer oder was ist eigentlich ein Top-Scorer?) mehr als ein paar Hundertstel hinter einem wahren Anchorman wie Armin Wolf, der auch witzig sein kann und dennoch keine Galas moderiert.

Wenn schon die ORF-Riege herhalten muss, könnten Stars wie Stermann und Grissemann samt Schreiber-Team mit einem zehnminütigen Opening Monologue für echte Lacher sorgen. Die ESPY Awards in den USA werden auch von nicht sport-involvierten Menschen moderiert und waren dieses Jahr an jenem Abend die meistgesehene Sendung in den USA. In Österreich bekommen die weniger sportaffinen Menschen die Gala noch zu wenig mit. Und das, obwohl im Ski (Marcel Hirscher) und im Fußball (ÖFB-Team) dieses Jahr Geschichte geschrieben wurde. Dass übrigens nur wenige Fußballer den Weg nach Wien gefunden haben, ist ebenso schade. So sollte auch der Termin überdacht werden. Es steckt also noch reichlich Potenzial in der Veranstaltung, die einige sehr gute Dinge schon mit sich bringt. Doch wie im Sport gibt es auch hier immer Verbesserungspotenzial. Das gilt für alle Seiten. Um die großartigen Leistungen, die uns wahrlich berühren, noch besser in Szene zu setzen. Das hat sich der Sport nicht nur 2015 verdient.

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