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Zeitlupe Kastler


Die Stunde Null

„Wir werden den Weg konsequent weitergehen.“ Sagte Salzburgs General Manager Jochen Sauer nach dem Europacup-Aus gegen Dinamo Minsk. Ein Satz, der mich an jemanden erinnerte. „Wir gehen unseren Weg weiter und ziehen es durch.“ Das sagte Zoran Barisic vor zwei Jahren. Damals nach dem Cup-Aus gegen den damaligen Regionalligisten LASK in der ersten Runde. Übrigens auch nach einem Elfmeterschießen. Rapid ist seither seinen Weg, auch mit jungen Spielern, gegangen und hätte sich fast mit einer überraschenden Champions-League-Teilnahme belohnt. Immerhin spielen die Wiener nun in der Gruppenphase der Europa League und haben zum Saisonstart der Bundesliga gezeigt, dass sie heißer Titelkandidat sind.

Im Detail liegen zu Salzburg natürlich wesentliche Unterschiede, doch der Nenner bleibt gleich. Auch in bitteren Stunden muss Ruhe bewahrt werden, denn Kontinuität zahlt sich immer aus. Das Tragische am Salzburger Ausscheiden in beiden europäischen Bewerben sind die Umstände. Denn beide Male war es klar zu verhindern. Jeweils eine Spielhälfte machte alles zunichte. Beim Rückspiel in Malmö die erste, in der man sich drei Tore einschenkte. Im Hinspiel in Brest die zweite, in der man zwei Tore kassierte – eines unnötiger wie das andere. Letztlich war die Hypothek zu groß. Und es herrscht wieder große Leere.

Aber es ist anders wie in Malmö 2014. Damals war man mit einer fertigen Mannschaft, mit Stars angetreten. Dieses Mal mit dem Produkt eines Umbruchs. Der, wie schon an dieser Stelle erwähnt, in Österreich einfach auch unvermeidbar ist. Auch für Red Bull. Welcher Spieler mit Zielen bleibt denn länger als nötig in dieser Liga? Und das mit den älteren Spielern bei Salzburg hatten wir ja schon. Stichwort: Abkassierer. Also muss auch den „Bullen“ alle paar Jahre ein Umbruch zugestanden werden. Freilich nicht ohne auch auf Fehler hinzuweisen.

Die Ausfälle in diversen Spielen (Soriano, Hinteregger, Damari) taten weh, Pech war dabei (nicht gegebener Elfer in Malmö, nicht gegebenes Tor gegen Minsk) – doch es war auch nicht verboten, vor dem 0:2 in Schweden bei einer Ecke einen gewissen Markus Rosenberg zumindest im Ansatz zu bewachen. Es war dort nicht verboten, mit einem 2:0-Vorsprung die Sache eine Nuance tiefer stehend anzugehen. Und es war nicht verboten, mit einem 0:0 oder einem 0:1 aus Brest abzureisen, anstatt am Ende um das 0:2 förmlich zu betteln. Es gilt zudem zu hinterfragen, warum man im Rückspiel in der regulären Spielzeit gegen Minsk nur ein Mal wechselt. Das Salzburger Spiel ist bekanntlich so fordernd, dass nach 90 Minuten nicht mehr so viel geht wie zuvor. Als einziger Joker vor der Überstunde kam mit David Atanga ein 18-Jähriger. In so einer Situation braucht es einfach mehr Erfahrung und mit Christian Schwegler (mit Beginn der Verlängerung statt Christoph Leitgeb eingewechselt) oder Marco Djuricin hätte es die auf der Bank auch gegeben. Hätte Havard Nielsen auf der UEFA-Kaderliste Platz gefunden, hätte es eine weitere Alternative gegeben. Da entschied man sich für Asger Sörensen (als Innenverteidiger-Backup, wenn Hinteregger nicht hätte spielen können).

„Uns ist auch bewusst, dass wir nicht nur mit 17- oder 18-jährigen Spielern unsere Ziele erreichen können“, sagte Freund und versicherte: „Wir sind in einer Leistungsgesellschaft. Die Besten stehen am Platz, das hat nichts mit dem Alter zu tun.“ Das Gefühl hatte man zuletzt nicht immer. Sein Fazit: „Die Gesamtkonstellation war zu viel und deswegen stehen wir jetzt so da. Wir waren im Juni überzeugt, dass wir einen sehr guten Kader haben. Aber leider waren die letzten Wochen richtig enttäuschend, so wie wir aufgetreten sind und die Mannschaft teilweise am Platz auch zusammengestellt war.“

Das alles hat tatsächlich viele Gründe. Verletzungspech, Spielpech, Fehler während den Spielen. Man muss es einer umgekrempelten Mannschaft mit neuem Trainerstab, der europäisches Neuland betrat, inklusive Rookie-Sportchef wohl verzeihen, auch wenn Red Bull dahintersteht. Die Einstellung, den Weg konsequent zu gehen, ist sicher die richtige.

Nun ist man allerdings in jeglicher Hinsicht gefordert. Denn die Latte liegt nach dem letztmaligen Umbruch hoch. Die Voraussetzungen dazu sind fordernd, schließlich muss ein 30-Mann-Kader auf den Weg gebracht werden. Das Gesicht der neuen Mannschaft war bislang kaum sichtbar. Dieses freizulegen ist die größte Herausforderung. Die Stunde Null, eine neue Zeitrechnung hat begonnen und die Protagonisten werden daran gemessen, was von Mai bis September 2016 herauskommt.

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