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Zeitlupe Kastler


Änderungen!?

Viele vergleichen Red Bull Salzburg mit Red Bull Salzburg. Also 2015 mit 2014. Herbst 2015 mit Frühjahr 2014. Jenes Team, das am Donnerstag mit 0:2 bei Dinamo Minsk verlor mit dem, das exakt 18 Monate zuvor bei Ajax Amsterdam 3:0 gewann.

Vom besten Spiel der Red-Bull-Ära waren, nimmt man die Startelf her, in Weißrussland nur noch drei dabei: Andreas Ulmer, Christian Schwegler, Christoph Leitgeb. Der Rest? Spielt nun teilweise in größeren Ligen wie in Deutschland (Kampl, Ramalho) oder England (Mane). Oder entschied sich für das große Geld (Alan). Beides legitim.

Zwei (Gulacsi, Ilsanker) sind auch bei Schwestern-Klub Leipzig, was bei Salzburg-Fans für – vorsichtig formuliert – gemischte Gefühle sorgt. Aber die Aussicht auf die Weltmeister-Liga reizt eben mehr, als zum dritten bzw. vierten Mal in Folge vier Mal gegen Ried zu spielen.

Und überhaupt kommen viele Spieler nach Salzburg, um nicht ewig zu bleiben. Roger Schmidt auch nicht. Ein Trainer, der sich dem Kreis der Weltbesten seiner Zunft nähert. Salzburg war vor eineinhalb Jahren mit seiner Mannschaft am Zenit, hatte mit dem ansprechenden Spielstil, der nahe der Perfektion war, begeistert und das Potenzial, die Europa League zu gewinnen.

Nun muss um die Teilnahme an selbiger gezittert werden. Weil die Stars von damals nach Höherem streben, weil der Coach von damals nach Höherem strebt. Weil es nicht von heute auf morgen geht, diese Philosophie kollektiv umzusetzen. Zeiten ändern sich. Ein größerer Umbruch nach drei Jahren ist bei keiner Mannschaft der Welt etwas Ungewöhnliches. Das ist der eine Punkt.

Der andere ist: Was kann man nun tun? Salzburg hat gegen einen schwachen Gegner verloren und hatte trotz drückender Überlegenheit nur eine gute Möglichkeit. Da sollten bei allen Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen. Schließlich steht die Philosophie über allem – und sie greift aktuell überhaupt nicht.

Auch wenn eine halbe Mannschaft (Soriano, Hinteregger, Damari, Djuricin, Nielsen, Yabo) fehlt, ist es bedenklich, wenn sich die Offensive seit Wochen auf dieselbe Art und Weise festläuft. In der Mitte hängen bleiben, über die Außen mit deplatzierten Flanken harmlos sein. „Wir hatten das Spiel in der Hand, haben eigentlich gut gespielt, sind ab dem Sechzehner aber nicht konkret geworden. Da müssen wir halt Chancen kreieren“, sagte Valon Berisha. Der zweite Satz klingt förmlich nach Ratlosigkeit.

Die Defensive ist unsicher und kann das geforderte Spiel aktuell nicht umsetzen, dafür kassiert sie billige Gegentore. Manchmal müssen Dinge geändert  werden, um die Situation zu verbessern. Adi Hütter kam mit einer Umstellung (er wich vom bedingungslosen Angriffspressing ab und zog seine Mannschaft zurück) aus der September-Krise 2014. Rangnick-Intimus Peter Zeidler bleibt in jeglicher Hinsicht seiner Linie treu. Sei es Spielanlage oder System. Natürlich muss der Deutsche mit einem eklatanten Aderlass umgehen, dennoch sollten Teamspieler wie Ulmer, Berisha, Keita, Leitgeb, Minamino, Reyna in der Lage sein, einen schwächeren Gegner wie Dinamo Minsk mehr zu fordern. Oder „zumindest“ das 0:1 „heimzuspielen“. Es ist auch Salzburg nicht verboten, sich im Finish zu formieren, wenn die Kräfte offensichtlich dahin sind.

Das Gegentor zum 0:2 – unnötig hoch x. Die biederen Weißrussen taten so lange nichts für das Spiel, bis Trainer Vuk Rasovic mit Nenad Adamovic den Sieg einwechselte. Minsk wartete einfach, bis Salzburg müde Fehler beging. „Es ist wie geplant gelaufen“, sagte der serbische Coach nach dem Spiel. Ein Satz, der sich wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen muss.

Salzburg ist aktuell ein Schatten seiner Vergangenheit. Das ist aus mehreren Gründen (Umbruch, Verletzungen) nachvollziehbar, weniger, dass man weiterhin mit dem Kopf durch die Wand zu laufen versucht. „Wir werden das knallhart aufarbeiten“, sagte Christian Schwegler. Bleibt zu hoffen, dass es dieses Mal auch zu tatsächlichen Änderungen führt, ehe es zu spät ist und Salzburg im Herbst international nur zusieht.

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