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Zeitlupe Kastler

 

 

Der Cup geht uns alle etwas an

Es ist jedes Jahr dasselbe leidige Thema: Der Stellenwert des ÖFB-Samsung-Cups. Nämlich, dass er keinen hat. Warum das so ist? Es fehlt der Zuspruch. Von allen Seiten. Alleine die Zuschauerzahlen – zum Beispiel 1512 beim Viertelfinale zwischen Wacker und Salzburg – sagen alles aus. Aber von nichts kommt bekanntlich nichts. Wacker-Trainer Roland Kirchler machte mit seinen Aussagen keinen Hehl daraus, welche Bedeutung dieses Spiel für ihn hatte: Das Ausscheiden war ihm schlichtweg egal. Natürlich hatte der Tiroler einen triftigen Grund dafür, nämlich den Kampf gegen den Abstieg. Dass existenzielle Belange im Vordergrund stehen, macht ihm keiner zum Vorwurf. Doch das eine schließt das andere nicht aus. Wacker war deswegen für die Runde der letzten Acht berechtigt, weil es im Oktober im Achtelfinale auswärts bei Sturm mit 2:1 gewann. Damals befanden sich die Innsbrucker auch bereits im Kampf um den Klassenerhalt – und schlugen Tage später den direkten Konkurrenten Wr. Neustadt 1:0. Beflügelte der 2:1-Sieg in Graz etwa das Team? Wir werden am Samstag sehen, wie sich ein sang- und klangloses 0:3 gegen Salzburg beim Heimspiel gegen die SV Ried auswirkt. Falls Kirchler die Niederlage gegen den Titelverteidiger analysieren sollte, wovon nicht auszugehen ist, dann sollte der Ex-Profi das Augenmerk auch auf die absolute Trostlosigkeit, die dieses Pflichtspiel zweier Bundesligisten bot, richten. Dafür trug er Mitschuld und sorgte in ganz Österreich für Kopfschütteln.

Der LASK hat im Liga-Alltag übrigens eine noch existenziell wichtigere Aufgabe: Die Rückkehr ins Profigeschäft. Zu lange weg zu sein, kann nämlich tödlich enden. Nachzufragen beim GAK. Trainer Karl Daxbacher schonte gegen das im Vorhinein schier übermächtige Cup-Team der jüngeren Vergangenheit, Ried, niemanden und meinte: „Warum soll man in dem Spiel nicht erfolgreich sein und dann wieder? Man spielt des Erfolges wegen und deswegen soll man es auch in jedem Spiel versuchen.“ Das Kirchler-Beispiel ist als aktuell exponiertes zu verstehen. Denn es liegt freilich nicht nur einem Trainer, sondern an allen Protagonisten, die hier gefragt sind. Fans, die ins Stadien (zu vielleicht billigeren Preisen?) gehen können oder der ÖFB, der die Attraktivität des Bewerbs steigern könnte (und nicht mindern wie 2008 durch die Absage wegen der bevorstehenden Heim-EM – in welchem Land gibt es eigentlich so etwas?). In sechs Jahren wird der ÖFB-Cup zum 100. Mal ausgetragen. Bis dahin ist es unser aller – auch die der Medienvertreter – Aufgabe, seinen Stellenwert entsprechend zu verbessern.

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