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Zeitlupe Kastler

 

 

Red Bull würde sich lächerlich machen

Wenn in den Iden des Mai traditionell die Eisheiligen hierzulande zwischenzeitliche Kälte einziehen lassen, dann sorgt zumindest die heimische Gerüchteküche für ein hitziges Klima. Daran traditionell hauptbeteiligt ist Red Bull, wenn es in Salzburg nicht nach Wunsch läuft. Werden Titel als Maßstab herangezogen, tut es das. Im Cup blamierten sich die Mozartstädter im Halbfinale gegen Pasching, in der Meisterschaft benötigen sie einen (unwahrscheinlichen) Selbstfaller der Austria. In Anbetracht der Titellosigkeit rauscht es im (deutschen) Blätterwald. (Noch)-Werder-Trainer Thomas Schaaf wird mit Salzburg in Verbindung gebracht, Roger Schmidt soll sich mit seinem Ex-Klub Paderborn getroffen haben und Ralf Rangnick Präsident des VfB Stuttgart werden.

Zweiteres wurde seitens des Trainers dementiert, Letzteres ist für den Sportdirektor nicht vorstellbar. Und Ersteres ist den Verantwortlichen in Fuschl, dort wo Red Bull seinen Sitz hat, zuzutrauen. Dort ist schlichtweg jedem alles zuzutrauen, auch ein neuerlich angeordneter Umsturz. Sollte aber wirklich von dem 2012 eingeschlagenen Weg wieder abgegangen werden, ist eines auch klar: Red Bull würde sich lächerlich machen. Das vor weniger als zwölf Monaten stolz proklamierte Ziel der Kontinuität einmal mehr zur Farce verkommen. Und die Arbeit schlicht und einfach falsch beurteilt werden. Sowohl was jene des Sportdirektors als auch jene der Trainer betrifft. RB Leipzig hat sich etwa im dritten Jahr erstmals – und bislang ungeschlagen (!) – den Regionalliga-Titel gesichert, muss nun gegen den Meister der Regionalliga West (wohl Sportfreunde Lotte) Relegation spielen. Salzburg unterzog sich nach der Düdelingen-Blamage einem Makeover. Das neue Team, das mit Jugend und dynamischer Spielweise aus Marketing-Sicht besser nicht passen könnte, ist dabei, den Punkterekord in der Red-Bull-Ära (76 Zähler 2010) zu toppen. Die Fans, um die man stets buhlt, stehen hinter diesem Weg. So viel Unterstützung wie zuletzt in Hütteldorf oder in Neustadt (nach einer Blamage) sah man noch selten.

Das alles trotz eines massiven Umbaus in derselben Saison zu schaffen, dafür gebührt Respekt. Schmidt genießt bei Fans und Spielern ein enormes Standing (Kampl: „Wir können froh sein, so einen Trainer zu haben“). Für die Champions-League-Quali haben sich die „Bullen“ seit Wochen qualifiziert, ein neuerlicher Umbruch im Sommer würde die herbeigesehnte Qualifikation für die Gruppenphase – wie jedes Mal nach Veränderungen – scheitern lassen. Hinsichtlich Nachhaltigkeit sagte Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz im November gegenüber den „SN“: „Das wollten wir immer, aber mit den falschen Leuten können sie keine Kontinuität aufbauen.“ Die Verantwortlichen zeigen, dass sie die richtigen Leute sein können, wenn man sie arbeiten lässt. Jetzt sollten die Entscheidungsträger in Fuschl im achten Jahr einmal zeigen, dass Kontinuität auch im Fußball-Sektor kein Fremdwort ist. Wer wurde im ersten Jahr nach einer Neuausrichtung schon in jeglicher Hinsicht die Nr. 1? Red Bull Racing auch nicht.

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