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Zeitlupe Kastler

 

Erst die Arbeit, dann die Beurteilung

Das Geheimnis war nur knapp drei Stunden eines. Am Montag ließ der ÖFB um 16:20 Uhr wissen, am Dienstag werde der neue Teamchef bekanntgegeben.

Kurz vor 19 Uhr konnte ein Präsidiumsmitglied nicht mehr dicht halten und erzählte dem „Kurier“ von der Bestellung Marcel Kollers.  „Muss man den kennen?“, „Mega Fail“ oder „Ein unterklassiger, erfolgloser Trainer – dumm, dümmer, ÖFB“  - so lauteten einige der ersten Reaktionen.

Auf der einen Seite kennen ihn die heimischen Fußball-Fans also nicht, auf der anderen Seite wird der Schweizer aber schon gnadenlos vorverurteilt. Zwei Schuhe, die nicht zusammenpassen.

Denn wie kann jemand beurteilt werden, den man nicht kennt? Noch keine Minute im Amt, ist der 50-Jährige, der zuletzt bis 2009 beim VfL Bochum in der deutschen Bundesliga gearbeitet hatte, also bereits bei der Mehrheit von Fußball-Österreich unten durch.

Einer, der mit ihm gearbeitet hat, ist Kapfenberg-Stürmer Marc Sand. Und der sagt, obwohl der Stürmer in seiner einzigen Saison 2007/08 keinen einzigen Einsatz unter dem zweifachen Meister-Coach (St. Gallen und GC Zürich) hatte: „Er war einer der besten Trainer, die ich bislang hatte. Er ist professionell, ein akribischer Arbeiter  und auch fachlich sehr in Ordnung.“

Damit scheint Koller jene Eigenschaften zu haben, deren Fehlen bei seinem Vorgänger Didi Constantini so heftig kritisiert wurde. Natürlich gehört  es dazu, bei einer Teamchef-Bestellung eine erste Einschätzung zu treffen.

Aber einen „Unbekannten“ von Vornherein abzustempeln, ohne dass er ein Wort gesagt hat oder eine Minute im Amt war – das bringt nichts. Erst die Arbeit, dann die Beurteilung.

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