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Wie Sex ohne Partner

 

Zwei Mal reicht. Nie wieder brauche ich die Erfahrung, in einem Stadion zu sitzen, in dem nur 1/50 (in Worten: ein Fünfzigstel) der verschiedenfarbigen Hartschalensitze besetzt sind.

War es am 16. Juli 2011 zwischen Rapid und Admira im wesentlich kleineren Hanappi-Stadion noch irgendwie zu verkraften, wurde einem bei Rapids Auftakt zur Europa League gegen Rosenborg Trondheim im größten Oval des Landes, dem Happel-Stadion, erst so richtig bewusst, welchen Stellenwert Fans für die Atmosphäre und den jeweiligen Verein einnehmen.

Diese beängstigende Stille, diese surreale Situation, diese Trainings-Atmosphäre – da hätte das Spiel noch so gut sein können (was es über weite Strecken aber nicht war).

Noch nie war das Risiko so hoch, sich mit unqualifizierten Experten-Meinungen oder Ausrufen bei den restlichen Stadionbesuchern unbeliebt zu machen. Wer es doch wagte, bekam die Rechnung postwendend präsentiert.

Schließlich vernahm man jedes Wort, auch auf dem Platz. Kein Weckruf nach einer guten Chance durch die aufheulende Menschenmasse, kein Jubel nach einer geglückten Aktion, keine Pfiffe.

So macht Fußball einfach keinen Spaß, da waren die Spieler mit mir einer Meinung. Denn Fußball ohne Zuschauer ist wie ein Pub ohne Bier, Sex ohne Partner oder Skifahren ohne Schnee.

Mag der wirtschaftliche Schaden, den die Chaoten von Thessaloniki zu verantworten haben, noch so groß sein. Das „Geisterspiel“ war zumindest für die Spieler und die interessierten Beobachter eine noch größere Strafe.

Denn vor so einer Kulisse Fußball zu spielen, muss eine Zumutung sein.

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