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Hackmair


Liebe Freunde der gepflegten Hack-Ordnung!

 

Immer wieder hört und spricht man vom so genannten „Trainereffekt“. Wie auch zuletzt bei der Bestellung von Roland Kirchler beim FC Wacker Innsbruck, für den Walter Kogler den Chefsessel räumen musste. Nach zwei Siegen in der Meisterschaft und dem überraschenden Aufstieg im ÖFB-Samsung-Cup macht es im ersten Moment wirklich den Anschein, dass der Wunderheiler für den schwer angeschlagenen FC Wacker gefunden wurde. Immerhin gelang der Mannschaft in zuvor sieben (!) Bundesligaspielen kein einziger Punkt! Und jetzt? Was ist da passiert, wie ist dieses Phänomen "Trainereffekt" zu erklären?

Ich habe als Spieler viele Trainer kommen und gehen sehen. Und immer hat sich etwas verändert, meistens noch am selben Tag. Aber nicht, weil der neue Chef plötzlich den Fußball neu erfunden hatte, sondern weil in solchen Situationen immer in den Köpfen der Spieler etwas vor sich geht. Die Stammspieler können sich ihrer Position auf einmal nicht mehr sicher sein, alle andern spüren eine neue Chance. Dieser mentale Umschwung und die damit verbundene Motivationsspritze führen somit sehr schnell zur Leistungssteigerung jedes einzelnen Spielers und infolgedessen der gesamten Mannschaft. Der Kampf ums Stammleiberl wird neu ausgetragen, der direkte Konkurrent auf der eigenen Position muss „ausgestochen“ werden. Und das bringt mich zu einer ganz wesentlichen Frage, mit der ich mich auch in meinem Buch sehr intensiv beschäftigt habe:

Teamplayer oder Egoist?

Unterm Strich zählt nun mal, was jeder aus seiner eigenen Karriere gemacht hat. Cupsieger 2011 ist ein schöner Titel, der meine Visitenkarte schmückt, allerdings bedeuten mir der Vizemeister oder auch der sensationelle vierte Platz bei der U20-WM in Kanada (beides 2007) um einiges mehr. Und warum? Weil ich bei diesen Erfolgen einen wesentlichen Teil dazu beigetragen habe, hingegen beim Cupsieg aufgrund meiner Knieverletzung zum Zusehen verdonnert war. Nach vielen Gesprächen mit Spielerkollegen kann ich behaupten, dass es fast allen so geht. Es kann also nur das Ziel sein, sich mit allen Mitteln einen Platz in der Stammelf zu ergattern, um sich selbst verwirklichen zu können. Und genau hier beginnt der Einzelsport, der Kampf ums Leiberl.

Welcher Weg ist nun für einen Profifußballer der bessere? Sich als Teamplayer in den Dienst der Mannschaft zu stellen oder in erster Linie auf sich selbst zu achten? Diese Antwort kann und muss jeder Spieler für sich selbst beantworten. Am Ende des Tages sollte man glücklich und zufrieden auf seine Karriere zurückblicken können. Ich kann das. Obwohl ich gerade in meinen ersten zwei, drei Profijahren oft zu brav war und etwas mehr Egoismus meine Karriere eher gefördert hätte. Aber wisst ihr, welche ich als die schönsten Erlebnisse meiner Laufbahn bezeichne? Klar, Vizemeister und Kanada waren genial, aber was wirklich hängen bleibt, sind all die zwischenmenschlichen Beziehungen aus dieser Zeit. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und ein paar richtige Freunde gewonnen.

Ich würde mir wünschen, trotz all der Verführungen mit schnellem Erfolg und viel Geld, wieder Werte wie Loyalität und Ehrlichkeit mehr in den Vordergrund zu stellen, Konflikte im Team auszutragen und auch schwierige Phasen gemeinsam durchzustehen.

Um noch einmal zur Einleitung dieser "Hack-Ordnung" und zur aktuellen Situation bei meinem Ex-Verein zurückzukehren, so behaupte ich, dass die neue Einstellung der Spieler – und nicht der neue Trainer – den (positiven) Effekt herbeigeführt hat. Was nicht heißt, dass Roland Kirchler nicht der Richtige ist, aber auch nicht, dass Walter Kogler der Falsche war ...

 

Euer Fußball-Pensionist Peter Hackmair

 

 

Peter Hackmair absolvierte für die SV Ried (2006-2011) und für Wacker Innsbruck (2011/12) insgesamt 120 Bundesliga-Spiele. Der 31-fache Nachwuchs-Nationalspieler, der 2007 mit der U20 bei der WM in Kanada sensationell Platz vier belegte, wurde Vizemeister (2007) und Cupsieger. Im August 2012 beendete der Mittelfeldspieler im Alter von nur 25 Jahren nach zahlreichen Verletzungen seine Karriere. Im September stellte Hackmair sein Buch "Träume verändern" vor und verstärkt seither auch das Redaktions-Team von LAOLA1.

 

Das Erstlingswerk von Peter Hackmair, "Träume verändern", kann auf www.peterhackmair.at erworben werden. Einfach online bestellen - du kannst dir auch eine Widmung von Peter wünschen! Weiters gibt es das Buch in sämtlichen Geschäften von "Thalia" und diversen anderen Buchhandlungen!

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