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Zeitlupe Frühwald

 

ÖTV braucht langen Atem für den richtigen Weg

Mit einem interessanten Ansatz beginnt Ronnie Leitgeb sein Amt als neuer ÖTV-Präsident. Um die Nachwuchsarbeit im Tennis-Verband zu verbessern, will sich der ehemalige Muster-Macher vorrangig einmal um die Aus- und Fortbildung der heimischen Trainerschar kümmern.

Diese soll in Zukunft verpflichtend sein und mit Hilfe eines „Credits-Systems“, wie es auch im universitären Bereich verwendet wird, vergleichbar gemacht werden. Die Idee dahinter ist gut und hätte eigentlich schon seit langem einmal umgesetzt werden müssen.

Denn für viele Eltern war es in der Vergangenheit oft ein Glückspiel, einen kompetenten und motivierten Coach für ihre Kinder zu finden. Festgelegte Richtlinien zur Orientierung gibt es nicht bzw. kaum.

Im Osten Österreichs existieren zusätzliche Herausforderungen, da viele Tennis-Klubs bei ihrer Trainer-Suche ihren Blick über die Grenzen schweifen lassen und auf billige Lösungen setzen. Natürlich gibt es auch im Ausland ausgezeichnete Trainer, diese bieten ihre Fähigkeiten aber natürlich nicht für ein Butterbrot an.

Wer billig kauft, kauft am Ende des Tages eben meist teuer. Die Zeche zahlen schlussendlich aber nicht die Eltern. Es geht vielmehr auf die Kosten ihrer talentierten Kids, die nicht jene Grund-Ausbildung bekommen, die für eine breite Basis mit einem gewissen Spielniveau notwendig ist. Und nur aus dieser kann der ÖTV irgendwann einmal Spitzenspieler großziehen.

So vielversprechend Leitgebs Pläne klingen, gibt es doch einige Dinge zu bedenken. Auch wenn man nun auf einen „österreichischen Weg“ setzt und auf die Verpflichtung internationaler Top-Coaches verzichtet, wird der Verband nicht umhin kommen, etwas mehr Geld als bisher in die Hand zu nehmen. Die Fort- und Weiterbildung der heimischen Trainer ist (im wahrsten Sinne des Wortes) nicht umsonst.

Zum anderen darf man sich in den nächsten Jahren keine Wunderdinge erwarten. So richtig und wichtig die Umsetzung des aktuellen Konzepts ist, so langfristig ist sie auch. Bis die jetzt verstreute Saat aufgeht, werden im Land der Äcker noch viele Jahre ins Land ziehen.

Als Vergleich dient das mittlerweile erfolgreiche Modell der Akademien in der österreichischen Fußball-Bundesliga: Erst nach über zehn Jahren trägt es auf breiter Basis Früchte, die bundesweit geerntet werden können.

Hoffentlich können uns aktuelle Hoffnungsträger wie Dominic Thiem oder Barbara Haas eine ähnliche Dürre-Periode, wie sie Fußball-Österreich seit der Jahrtausendwende durchstehen musste, ersparen.

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