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Zeitlupe Frühwald

 

Ist der blaue Sand nur für Chuck Norris geeignet?

Ein altes chinesische Sprichwort lautet: “Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Vielleicht liegt es daran, dass die altbewährte rote Asche auf den Tennisplätzen teilweise aus gebranntem Ziegel besteht, weshalb die meisten Profis in Madrid derzeit eher auf die „Mauer-Taktik“ setzen.

Bei dem mit über drei Millionen Euro dotierten ATP-1000-Turnier vertrauen die Veranstalter (im Hintergrund zieht der mächtige Ion Tiriac die Fäden) nämlich erstmals auf einen blau eingefärbten Sandbelag. Dies geschah sehr zum Missfallen vieler Superstars, die sich seit Tagen über den bislang unbekannten und angeblich viel zu rutschigen Untergrund beschweren.

„Das ist kein Tennis mehr“, klagte erst am Dienstagabend Novak Djokovic nach seinem Auftaktmatch. „Das nächste Mal komme ich entweder mit Fußball-Schuhen auf den Platz oder Chuck Norris muss mir eine Einschulung geben, wie ich mich auf diesem Court bewegen muss“, lästerte der Weltranglisten-Erste.

Dabei bietet die blaue Farbe neben dem für die Veranstalter sicherlich nicht unangenehmen Publicity-Effekt vor allem bei den TV-Übertragungen klare Vorteile für die Zuschauer. Durch den höheren Kontrast ist die gelbe Filzkugel einfach viel besser zu sehen.

Bei solchen Streitereien merkt man, dass der Tennis-Sport in seinen Wurzeln noch immer sehr konservativ ist. Das Tiebreak, die Reduzierung der Fünf-Satz-Partien, das Champions-Tiebreak, Tennis-Models, Musik  zwischen den Pausen – zahlreiche mittlerweile als sinnvoll anerkannte Reformen und Ideen sind heutzutage nicht mehr aus dem Tennis-Sport wegzudenken. Der Aufschrei bei der Einführung war aber jedes Mal groß.

Die progressive Serena Williams, die neuen Ideen grundsätzlich meist recht aufgeschlossen ist, erweist sich auch in dieser Diskussion mal wieder als Vorbild: „Blaue Asche ist doch fein. Ich könnte auch auf Eis spielen, falls es nötig ist.“ Ein neuer Gedanke für Ion Tiriac?

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