Scouting ist weit mehr als nur Talentesichtung

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Kluges Scouting macht erfolgreich. Wer gute und passende Spieler günstig verpflichtet, erarbeitet sich gegenüber seinen Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil.

Den Beweis dafür liefert schon alleine der Blick nach Deutschland. Dort schlagen intelligent geführte Klubs wie Mainz oder Augsburg den reichen Traditionsvereinen ein Schnippchen, was nicht zuletzt mit den jeweiligen Scouting-Abteilungen zu tun hat.

Die Spielerbeobachtung geht dabei weit über die reine Talentesichtung hinaus. Passend zu den Möglichkeiten des Vereins muss eine Scouting-Strategie ausgearbeitet werden. Zudem geht es nicht nur um die Entdeckung eines Juwels, sondern auch um dessen weitere Betreuung sowie fortführende Beobachtungen.

In Österreich wurde dieser internationale Trend total verschlafen. Das mussten sich einige Verantwortliche mittlerweile selbst eingestehen. Nicht umsonst zeigten sich die Austria, Rapid und Sturm in den letzten Monaten darum bemüht, auf dem Gebiet des Scoutings neue Akzente zu setzen.

Sie könnten sich dabei eine Scheibe von Klubs wie Ried oder Wiener Neustadt abschneiden. Aus geringen finanziellen Möglichkeiten versuchen die beiden Underdogs bereits seit längerer Zeit das Beste herauszuholen.

Die Innviertler entdeckten mit unterklassigen Spielern aus Deutschland und Spanien so manche Marktnische. Unterdessen gelang es den finanziell klammen Neustädtern dank intensiver Spielerbeobachtungen talentierte Kicker in den unteren Ligen zu finden und in der Bundesliga zu etablieren.

Bei vergleichbaren heimischen Vereinen lässt diese Professionalisierung aber auf sich warten. Der WAC in etwa verzichtet nicht nur auf professionell organisiertes Scouting, sondern auch auf einen eigenen Sportdirektor. Andererseits reichen diese Strukturen aus, um in der österreichischen Bundesliga auf Platz fünf zu landen.

Der kurzfristige Erfolg gibt dem Modell der Wolfsberger also recht. Ob sich die strukturellen Defizite jedoch auch langfristig kaschieren lassen, darf bezweifelt werden.

Jakob Faber

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