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Zeitlupe Altmann

 

Die Stunde des Präsidenten

„Glauben Sie mir eines“, versicherte Leo Windtner am Rande des ÖFB-Asien-Trips, „wenn sich der Erfolg einstellt, stehe ich in der fünften Reihe.“

Nun, noch hat sich der Erfolg des Nationalteams nicht eingestellt. Bis er das dauerhaft tut, wird auch noch einige Zeit vergehen.

Also ist der ÖFB-Präsident weiterhin als Frontman gefordert – und das in den kommenden Wochen und Monaten möglicherweise mehr denn je.

Denn die Kritiker der Bestellung von Marcel Koller zum neuen Teamchef schießen nicht nur ungebrochen scharf, ihnen ist auch keine Munition zu blöd.

So stellte etwa Peter Pacult in der Servus-TV-Sendung „Sport und Talk“ die Verschwörungstheorie auf, dass Koller nur zum Zug gekommen sei, weil er um zwei Zentimeter kleiner sei als Windtner.

Bitte gar schön, was soll das?!? Und Pacult ist Trainer von RB Leipzig geworden, weil er eine schlechtere Frisur als Didi Mateschitz hat, oder wie? Man möchte an dieser Stelle gar nicht weiterdenken, nach welchen Kriterien Pacult seine eigenen Mitarbeiter aussucht… Dürften jedenfalls spannende Vorstellungsgespräche sein.

Zurück zu Windtner. Die österreichische Fußball-Seilschaft ist beleidigt. Kein „Haberer“ hat den Teamchef-Posten ergattert, ja nicht einmal der „Versorgungsposten“ des U19-Teamchefs ist für ein Kapazunder wie Andreas Ogris reserviert.

(An dieser Stelle ein Tipp zu Horizonterweiterung: Einfach auf Youtube „andy ogris und leo aberer“ eingeben und bei Betrachtung des so entsetzlich viel sagenden 1:39-Minuten-Videos staunen, genießen, lachen, weinen – je nachdem... Eine katastrophale Fehlentscheidung, ihn nicht auf unsere hoffnungsvollsten Jugendlichen loszulassen? Warum haben Barca oder Real noch nicht angerufen?)

In diesem Klima des Neids, der Missgunst und der Wuchteldruckerei um jeden Preis wird es auch auf den ÖFB-Boss ankommen, ob das Projekt Koller überhaupt eine faire Chance hat. Denn Fakt ist: Eine 23 Spiele dauernde Schonfrist, wie sie der „leiwande“ Didi C. im Grunde genommen vom Klüngel aus „(Ex-)Experten“ und Boulevard gewährt bekam, wird es für den Eidgenossen nicht geben.

„Wenn man einen Teamchef bestellt, muss er die Rückendeckung des Präsidenten und Präsidiums haben“, stellt Windtner unmissverständlich klar und verweist darauf, dass er auch bei Constantini keine Kurzschlussreaktion getroffen habe.

Auch wenn das wahre Feindbild der meisten szeneinternen Kritiker der in ihren Augen zu streberhafte Willi Ruttensteiner ist, die Verantwortung für die Installierung Kollers trägt natürlich der Boss höchstpersönlich. Mit dieser Entscheidung hat der 61-Jährige nicht nur den damit verbundenen Ausschluss aus dem „Freundeskreis“ riskiert, er bekam die „Rote Karte“ in den letzten zehn Tagen längst präsentiert.

Die Gelassenheit, mit der er dies sowohl offiziell als auch inoffiziell zur Kenntnis nimmt, spricht nicht gegen ihn.

„Manche Reaktionen waren in dieser Form nicht zu erwarten, aber bestätigen nur die Richtigkeit dieser Entscheidung“, erklärte Windtner den mitreisenden Journalisten vor der Rückreise am Flughafen in Astana.

Im Flieger sitzt der Präsident in Reihe eins. Man kann ihm und den österreichischen Fußball in Zukunft nur einen Platz in Reihe fünf wünschen.

Denn eitle Gockel, die sich im Blitzlichtgewitter sonnen würden und im Fall der Fälle „eh schon immer gewusst“ haben, dass Koller die richtige Wahl sei, fallen einem ohnehin zur Genüge ein…

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