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Ein Alarmsignal

Österreich ist bekanntlich eines der reichsten Länder der Erde.

Dass die Welt keine faire und der Lebensstandard nicht überall so hoch wie bei uns ist, ist leider keine Neuigkeit.

Man kann wohl außer Streit stellen, dass es löblich ist, sich für Sozialprojekte in benachteiligten Ländern einzusetzen – auch und gerade wenn dies einflussreiche Personen tun, die natürlich ganz andere Summen lukrieren können. Wichtiger Zusatz: Sofern die Hilfe dort ankommt, wo sie benötigt wird, und natürlich kein persönlicher Vorteil daraus resultiert.

Leo Windtner ist zuletzt mit seiner Bitte um eine FIFA-Spende von 100.000 Dollar für das Projekt „Hope for Future“ in die Schlagzeilen geraten. Das mediale Konstrukt, dass der ÖFB-Präsident im Gegenzug für eine Wiederwahl Sepp Blatter zum FIFA-Präsidenten werben würde, lässt sich trotz der schiefen Optik bekanntlich nicht aufrecht erhalten. Der ÖFB hat schon vor den jüngsten Skandalen beschlossen, den Schweizer nicht zu wählen. Entsprechend vehement wehrte sich Windtner auch in der „ZIB2“ gegen den Vorwurf der Geschenk-Annahme.

Stimmt die Argumentation des Oberösterreichers, und bislang spricht wenig dagegen, ist es schäbig, ein Hilfsprojekt dafür zu verwenden, um ihn anzupatzen.

Die Frage, die man sich im Fußballbund daher stellen muss und vermutlich auch stellt: Wie und warum wurde der eigene Präsident in diese Ecke gedrängt? Wie kann es sein, dass im Magazin „News“ streng vertrauliche Schriftstücke aus dem Schriftverkehr zwischen FIFA und ÖFB auftauchen?

Der Vorarlberger Landesprädient Horst Lumper ärgert sich im LAOLA1-Interview: „An dieser Sache ist null dran. Viel bedenklicher finde ich, dass Interna vom ÖFB raus gehen. Das hatten wir schon einmal vor ein paar Jahren und das ist unangenehm.“

Man kann abseits dieser Causa zudem folgendes außer Streit stellen: Die sportliche Richtung, die der ÖFB in den vergangenen Jahren eingeschlagen hat, stimmt. Die auch an dieser Stelle oft eingeforderte Geduld hat sich bislang insofern bezahlt gemacht, dass dem Nationalteam ein deutlicher Sprung nach vorne gelungen ist. Es wurden sowohl für die Spitze Spieler entwickelt, als auch für die Breite, was man ebenfalls nicht unterschätzen sollte.

Die Aufbauarbeit des sportlich Verantwortlichen Willi Ruttensteiner hat sich nicht nur dadurch gelohnt, dass sich in diesem Jahr gleich drei Nachwuchs-Auswahlen für Turniere qualifiziert haben. Dass Teamchef Marcel Koller im A-Team gute Arbeit leistet und sich einen funktionierenden Staff geschaffen hat, muss vermutlich nicht extra betont werden.

Aber auch auf der sportlichen Ebene geht noch mehr. Sich, ein wenig typisch österreichisch, zurückzulehnen und auf bereits erzielte Erfolge auszuruhen, wäre selbstredend die falsche Strategie. Der Weg muss weitergehen. Es geht noch mehr, es können noch bessere Spieler ausgebildet werden, diese können noch früher und besser bei ihren Vereinen eingesetzt werden.

Dennoch: Im sportlichen Bereich kann man dem ÖFB derzeit wenig vorwerfen, die grundsätzliche Richtung stimmt.

Darüber, wie modern der Verband in anderen Abteilungen aufgestellt ist, lässt sich schon eher streiten. Hierzu gibt es wohl unterschiedliche Meinungen und Diskussionen darüber sind ja im Prinzip nichts Schlechtes.

In meinen Augen besteht, vorsichtig formuliert, durchaus noch Optimierungsbedarf. Die anstehende Umstrukturierung des ÖFB bietet so gesehen die Chance, im Windschatten des sportlichen Erfolgs auch in anderen Bereichen Schritte nach vorne zu machen.

„Der Fahrplan sieht vor, die Ausgliederung des Profibereiches 2016 vorzunehmen. Ich bin mir sicher, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen werden“, gibt sich auch Lumper optimistisch.

Dass laut Medienberichten gleichzeitig Alfred Ludwig daran denkt, in Pension zu gehen, könnte sich als gutes Timing erweisen. Nach vielen, vielen Jahren im ÖFB hätte er sich den Ruhestand sicher verdient. Der Zeitpunkt für den Absprung wäre zumindest nicht schlecht gewählt, sofern er ihn nicht doch noch verpasst.

In diesem Zusammenhang kann man wohl noch etwas außer Streit stellen: Frischer Wind wäre durch neues Personal leichter zu erzeugen, als durch nur am Papier adaptierte Machtverhältnisse.

Man kann nur hoffen, dass der ÖFB diese Umstrukturierung gut über die Bühne bringt. Denn das Letzte, was man in Zeiten des sportlichen Aufwinds brauchen kann, sind interne Störfeuer. Dass die Schlagzeilen gegen Windtner – womöglich – von innen gesteuert wurden, ist so gesehen zumindest ein Alarmsignal.

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