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Die verdiente Erwartungshaltung

Die traditionelle Abschluss-Pressekonferenz im Stadion Zimbru in Chisinau wurde durch einige unfreiwillig komische Einlagen bereichert. Vor allem als der Dolmetscher versehentlich ansetzte, die Worte des Schweizers Marcel Koller ins Hochdeutsche anstatt ins Rumänische zu übersetzen.

Von moldawischer beziehungsweise im konkreten Fall russischer Seite her gab es vor dem EM-Quali-Duell nur drei Fragen an den ÖFB-Teamchef.

1.) Ist er abergläubisch? („Nein“)

2.) Ob es nicht schon die erste Niederlage in Moldawien sei, dass er 13 Minuten zu spät zum Medientermin erschien? (Das lag fairerweise jedoch nicht an Koller, sondern am im dichten Verkehr steckenden ÖFB-Medientross)

3.) Wie viele Spiele Moldawiens er sich eigentlich angesehen habe? („Viele“ – um genau zu sein: zwölf)

Zum österreichischen Team? Keine Frage, nicht einmal zu David Alaba. Auch daraus lässt sich schließen, dass sich das ÖFB-Team in der internationalen Fußball-Hackordnung noch nicht grenzenlosen Respekt erarbeitet hat.

Soweit kein Drama. Das Nationalteam hat in den vergangenen Jahren eine gute Entwicklung hingelegt, jedoch keine so atemberaubende, dass Kontrahenten automatisch in Ehrfurcht erstarren. Vor allem die wenig spektakuläre Bilanz in Auswärtsspielen gibt ihnen auch wenig Grund dazu.

Das gilt es zu ändern. Und zwar jetzt.

Dies soll keine populistische Forderung sein, sondern Vertrauen in den eingeschlagenen und bislang zurückgelegten Weg symbolisieren.

Immer wieder war in den vergangenen Tagen der Hinweis auf die Nullnummer in Kasachstan vor zwei Jahren, die ihren Teil zur verpassten WM-Qualifikation beitrug, zu hören, samt anschließender Frage, warum man inzwischen weiter sei.

Jeder ÖFB-Kicker kann dies wortreich erklären – und zwar nicht aufgrund geschickter rhetorischer Schulung, sondern weil er tatsächlich glaubt und spürt, dass man als Mannschaft wirklich reifer ist, nicht gleich hektisch wird, wenn es nicht von Beginn an ideal läuft, die Ruhe bewahrt und vor allem die notwendige Qualität mitbringt.

Koller hat natürlich völlig recht, wenn er darauf hinweist, dass diese schönen Worte im Vorfeld wenig bringen, sondern am Platz bewiesen werden müssen.

Die Theorie klingt gut, jetzt will man die Praxis sehen. Gerade auswärts.

Drucksituationen sind selten spaßig und in dieser Länderspiel-Woche herrscht definitiv Druck, aber dieses Team hat es sich mit seiner Entwicklung verdient, dass man die Erwartungshaltung kontinuierlich nach oben schraubt.

Wobei, wird sie wirklich extra nach oben geschraubt? Als gelernter Fußball-Österreicher weiß man ohnehin, welche Diskussionen es so oder so im Falle eines Punktverlusts in Moldawien geben würde.

Die ÖFB-Elf möge sie uns bitte allen ersparen…

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