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Zeitlupe Altmann

 

Das Schweigen des Uli H.

Es ist auffällig ruhig in der Führungsetage des FC Bayern.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, also würde man so gesehen fast nicht auf die Idee kommen, dass am Mittwoch das Spiel aller Spiele in der deutschen Bundesliga ansteht.

Der „Giganten-Gipfel“, wie der möglicherweise vorentscheidende Showdown zwischen dem Münchner Kultklub und Meister Borussia Dortmund in den germanischen Medien getauft wurde.

In den vergangenen Jahrzehnten waren gerade Ausgangspositionen wie diese (der BVB rangiert drei Punkte vor dem FCB) eine Einladung für die Bayern-Strategen, einen „Psycho-Krieg“ anzuzetteln.

Vor allem der nunmehrige Präsident Uli Hoeneß untermauerte nachhaltig seinen Ruf als Lautsprecher der Liga, sobald sich ein Konkurrent anschickte, die unumstrittene Vormachtstellung seines Nobelvereins zumindest temporär zu gefährden.

Nicht selten ging der Plan, den Kontrahenten mit verbalen Breitseiten nervös zu machen, auch blendend auf (schöne Grüße nach Leverkusen und Schalke…).

Warum also die gegenwärtige Funkstille?

Um den Gegner in Sicherheit zu wiegen? Eher nein. Jeder weiß um die Stärke des FC Bayern, vor allem die Borussia.

Die Dortmunder reagierten in der jüngeren Vergangenheit stets souverän auf die Kampfansagen aus dem Süden, ließen sich nicht provozieren und gaben die Antwort dort, wo sie zählt: auf dem Platz.

Die drei letzten direkten Duelle gingen nämlich – trotz lautstarken Ballyhoos der Bayern (Hoeneß: „Wir gewinnen mit zwei Toren Unterschied“) – an den BVB.

„Mit Psychostrategien gewinnt man kein Spiel, das ist eine andere Generation, die Spieler sind heute nicht so grüblerisch“, analysiert Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Diesmal konzentrieren sich also auch die Bayern auf das Wesentliche, Hoeneß geht quasi mit dem Zeitgeist.

Zumal auch der schlaue Geschäftsmann weiß, dass Konkurrenz belebend wirkt – und bei der Borussia deutet vieles darauf hin, dass es sich hierbei nicht um einen Emporkömmling mit Ablaufdatum handelt, sondern sie gekommen ist, um als längerfristiger Gegenpol zu bleiben.

Man könnte das Schweigen also als „stilles“ Kompliment für die bisherige Arbeit von Jürgen Klopp und Co. deuten.

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