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Zeitlupe Altmann

 

Guter Fußballer = guter Trainer?

Ein „Wermutstropfen“ der bisherigen Asien-Reise war das Verpassen der TV-„Experten“-Runde nach dem Aserbaidschan-Spiel.

Ein Konsum in voller Länger ist bei nächster Gelegenheit jedoch Pflicht, denn was man so hört, war es ja ein wahrer Leckerbissen an Diskussionskultur, tiefgehender Analyse und fundierter Bestandsaufnahme des österreichischen Fußballs.

Gut, das war jetzt ein bisschen sarkastisch.

Denn die wütenden, teils sogar schockierten Reaktionen lassen auf einen gewaltigen Offenbarungseid schließen. Geht man vom Youtube-Ausschnitt mit Herbert Prohaskas Andi-Ogris-Barcelona-Real-Ansage aus, dann wohl auch zu Recht.

Unterm Strich hat die Bestellung von Marcel Koller zum Teamchef schon eine erste positive Wirkung. Die viel zitierten, und aktuell unglaublich beleidigten Seilschaften mussten sich aus der Deckung wagen, und die Öffentlichkeit konnte sich ihr eigenes Bild machen.

Fakt ist, im Grunde genommen spitzt sich alles auf eine Frage zu: Ist ein guter Kicker in seinem zweiten Berufsleben automatisch ein guter Trainer?

Nein, ist er natürlich nicht. Zumindest nicht mehr. Der Job und die Anforderungen, um ihn adäquat zu erfüllen, haben sich in den letzten Jahren enorm gewandelt, „akribische Arbeit“ ist längst nicht mehr nur ein Schlagwort. Hierzulande gilt der Status als verdienter Fußballer für viele bekanntlich dennoch immer noch als wichtigste Daseinsberichtigung zum Trainer.

International fällt auf, dass sich immer mehr Trainer etablieren, für die der Profi-Fußball ein Traum blieb. Ein Trend, der sich in den nächsten Jahren durchaus fortsetzen dürfte.

Denn, vernünftig ausgeführt, ist der Trainer-Beruf ungleich zeitaufwendiger als jener des Fußballers. Auch ehemalige Stars müssen enorm viel Zeit und Energie investieren, um Wissen zu generieren und dieses anschließend zu vermitteln. Und wie viele gut situierte Helden von gestern werden in Zukunft noch die Lust auf diese Belastung verspüren?

Soll heißen: Durchaus wahrscheinlich, dass die Schere zwischen dem Beruf Fußballer und dem Beruf Trainer noch weiter auseinander geht, und nicht mehr das eine das andere bedingt.

In anderen Sportarten ist das nichts Unübliches, man nehme zum Beispiel das hochstrategische American Football her (Achtung, Tellerrand!).

In den USA ist es Usus, dass sich frühzeitig entscheidet, wohin die Reise geht: Entweder es reicht für eine Spielerkarriere, oder man widmet sich schon in jüngerem Alter (in etwa nach dem College) dem Coaching, erlernt diese Profession über viele Jahre von der Pike auf, beginnend als Assistenzcoach des Assistenzcoaches.

In die NFL verirren sich nur wenige ehemalige Spieler, und noch viel weniger Superstars. Nächtelange Videoanalysen, präzise Ausarbeitung der eigenen Strategie, dazu die Arbeit am Trainingsplatz und so nebenher noch Medientermine, das muss nicht sein. Dazu hätte man einen entscheidenden Startnachteil: Man müsste erst an Wissen und Erfahrung bezüglich der Arbeit als Coach aufholen.

Blickt man in die NHL, muss man Wayne Gretzky zwar Respekt für seinen Mut zollen, die Phoenix Coyotes als Head Coach übernommen zu haben. Bewegt hat der beste Eishockey-Spieler aller Zeiten an der Bande jedoch herzlich wenig.

Die übliche Zweitkarriere für ehemalige Star-Spieler? TV-Experte. Nur werden an die in den USA ganz andere Anforderungen gestellt als hierzulande im Fußball, nämlich ernsthaft journalistische anstatt den „Pausen-Clown“ zu spielen, wie es in manchen Fällen geschieht.

Aber wer weiß: Vielleicht wird Co-Kommentator Troy Aikman (dreifacher Super-Bowl-Champ) noch versuchen, Kumpel Emmitt Smith öffentlich als Trainer bei den Dallas Cowboys unterzubringen.

Undenkbar, aber immerhin wahrscheinlicher, als dass Andi Ogris Barcelona-Trainer wird - die Chance liegt also im Promille-Bereich...

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