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Zeitlupe Altmann

 

Kein Mann für den Schreibtisch

Zuallererst: Die Gesundheit ist das höchste Gut eines Menschen. Deshalb sei hier nachdrücklich der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass es Paul Gludovatz gut geht.

Über diesen Punkt gibt es keine zwei Meinungen.

Sehr wohl jedoch über alle anderen Komponenten in der letztlich unglücklichen Beziehung zwischen dem Burgenländer und dem SK Sturm, über die man bei allem Respekt diskutieren muss.

Die allzu kurze Amtszeit des 66-Jährigen als Geschäftsführer Sport  bei den Grazern ist nunmehr offiziell beendet. Fakt ist: Die Zusammenarbeit stand von Beginn an unter keinem guten Stern und wäre wohl auch nicht mehr auf eine konstruktive Basis zu bringen gewesen.

Das Projekt „Sturm neu“ ist ebenso ambitioniert wie begrüßenswert. Auf der Schlüsselposition des Geschäftsführers Sport ist den Verantwortlichen um Präsident Christian Jauk jedoch ein Fehlgriff unterlaufen.

Dabei geht es selbstverständlich nicht um die fachliche Qualifikation von Gludovatz. Der frühere Nachwuchs-Teamchef ist ohne Wenn und Aber ein Experte in Sachen Fußball, besitzt ein ausgezeichnetes Auge für Kicker, ist quasi am Fußballplatz zu Hause.

Aber: Er ist kein Manager-Typ. Nicht einmal im Geringsten.

In seiner neuen Rolle unterliefen ihm folglich Fehler, vor allem in der externen und internen Kommunikation – die Fälle von Franco Foda und Joachim Standfest drangen nach außen, es sollen nicht die einzigen unglücklichen Aktionen gewesen sein.

Gludovatz ist kein Mann für den Schreibtisch, kein Mann für das Niederschreiben von Konzepten, kein Mann für diplomatische Kommunikation nach außen, kein Mann für klare Worte nach innen.

Letztlich spürte er seine Limits vermutlich selbst, denn den Eindruck, dass er sich in seiner neuen Rolle wohl fühlt, vermochte er nie zu vermitteln.  Zudem gibt es widersprüchliche Versionen darüber, wie viel Rückendeckung er von seinen Vorgesetzten bekommen hat.

Dies führte zu einer augenscheinlichen Verunsicherung, die wohl bei jedem Arbeitnehmer zu einem Problem für die Psyche werden würde.

Es wäre falsch, Sturms Idee, ein Kaliber wie Gludovatz für dieses neue Projekt zu gewinnen, zu verteufeln. Im Gegenteil, die Visionen des passionierten Querdenkers hätten eine große Bereicherung sein können.

Der Fehler war das Aufgabengebiet. Das Know-how des Burgenländers passt nicht zur Job Description eines Geschäftsführers.

Sollte es Sturm tatsächlich ernst damit sein, Gludovatz in einer anderen Funktion halten zu wollen, muss man den potenziellen Ideengeber wohl praxisnäher einsetzen. Für die Fachgebiete Scouting oder Nachwuchsförderung könnte es ein Segen sein.

PS.: Am Montag ab 21:05 Uhr wird Paul Gludovatz im Rahmen von "Sport und Talk" bei ServusTV erstmals Stellung zu seinem Abschied von Sturm beziehen.

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