Das Sturm-Tief: Eine Konsequenz des Intrigenstadls

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Das Bundesliga-Frühjahr hat mit dem SK Sturm also seinen ersten Krisen-Klub.

Sportlich wie menschlich. Auf beiden Ebenen erreicht das Stimmungsbarometer in Graz seinen Tiefststand.

Das eine bedingt das andere, der Fehlstart auf dem Rasen ist die direkte Folge des Intrigenstadls, als welcher sich der Meister von 2011 schon die ganze Saison über präsentiert.

Für intensive Beobachter des steirischen Traditionsvereins kommt diese Entwicklung ungefähr so überraschend wie Schneefall im Februar, nämlich gar nicht.

Den guten, alten Spruch „Wie man trainiert, so spielt man“ müsste man bezogen auf Sturm auf „Wie man sich intern gebärdet, so spielt man“ abwandeln.

Kurzum: Dass sich die internen Gräben, die man im Herbst noch mehr schlecht als recht kaschieren konnte, im Falle eines sportlichen Negativlaufs nicht mehr verheimlichen lassen, ist eine logische Konsequenz. Entsprechend rund geht es nach dem 0:0 in Mattersburg und der 1:3-Blamage gegen Wolfsberg.

Hyballa und Tumani stehen vereinsintern in der Kritik

Um die schwarz-weiße Misere zu verstehen, muss man ein wenig ausholen.

Die Grundkonstellation innerhalb des Vereins ist relativ einfach auf den Punkt gebracht und längst kein Geheimnis mehr. Sie lautet: Trainer Peter Hyballa plus Geschäftsführer Sport Ayhan Tumani gegen alle anderen.

Damit sind nicht nur große Teile der Mannschaft gemeint, sondern vor allem auch der übrige Mitarbeiterstab bis hinauf zu Mitgliedern aus Vorstand und Aufsichtsrat.

Glaubhafte Befürworter des deutschen Duos muss man schon im letzten „Winkerl“ suchen, im Prinzip bemühen sich einige Vereinsvertreter gar nicht mehr großartig, die Ablehnung zu verhehlen. Ganz im Gegenteil.

Schwierig macht die Bewertung der Vorkommnisse, dass man zumindest Hyballa fachlich wenig vorwerfen kann. Dem 37-Jährigen attestieren selbst weniger Wohlgesonnene große Fachkenntnis, die meisten seiner theoretischen Vorstellungen lassen sich durchaus unterschreiben.

In der Praxis sind jedoch Menschenführung und Sozialkompetenz das zweite wichtige Standbein eines Trainers. In diesen Bereichen scheint vor allem Tumani glatt durchzufallen. Die Nachrede des Deutsch-Türken ist noch um Ecken schlechter als jene Hyballas.

Von Beginn an fiel auf, dass sich das Duo völlig unnötige „Nebenkriegsschauplätze“ sucht. Etwa den Umgang mit Vereins-Ikone Mario Haas oder die endenwollende Bereitschaft zur konstruktiven Zusammenarbeit mit Amateure-Coach Markus Schopp. Bei einem Spieler soll sich gerüchteweise seine Einsatzzeit gar drastisch verringert haben, weil er in der Kantine mit einer verfeindeten Funktionärin gesichtet wurde. Geht’s noch?

Ein Insider beschrieb Hyballas Vorgehensweise im persönlichen Umgang einmal so: „Man stelle sich eine Mauer vor, an der man rechts oder links vorbeilaufen kann. Er läuft mit Anlauf mit dem Kopf voran frontal in die Mauer.“

Es würde zu kurz greifen, den Deutschen per se als wandelnden Charakterschwächling zu denunzieren. Zumindest ist er authentisch, unterschätzt jedoch möglicherweise die Außenwirkung seiner direkten und bisweilen schroffen Art. Darüber, wie authentisch Tumani ist, scheiden sich die Geister…

Nun zählt es zum kleinen Einmaleins der Betriebsführung, dass es sich in einem positiven Arbeitsklima konstruktiver werken lässt als in einer Situation des gegenseitigen Misstrauens.

Es spricht nicht für Sturm, dass im näheren Umfeld des Vereins seit Anbeginn der Saison weniger über Sportliches diskutiert wurde, sondern mehr die Frage, wer mit wem kann und mit wem nicht.

Die aktuelle Frage lautet: Wie geht es weiter? Hinter vorgehaltener Hand wird kolportiert, dass die „Blackies“ längst nach einem Ausstiegsszenario suchen.

Keine einfache Angelegenheit, denn beide haben gültige Arbeitspapiere bis Sommer 2014, eine Trennung käme entsprechend teuer. Wie knapp die Budgetsituation ist, konnte man in der abgelaufenen Transferzeit beobachten, als es keinen finanziellen Handlungsspielraum gab. Der von Tumani erträumte Investor blieb aus.

Entsprechend überraschend wäre es, wenn es kurzfristig zu einer Änderung der sportlichen Leitung käme. Mittel- und langfristig gibt es für Hyballa/Tumani wohl nur zwei Rettungsszenarien.

Einerseits ein sportlicher Erfolgslauf. Ein Sieg am Mittwoch in Hütteldorf wäre ein guter Anfang. Interessanterweise kaschierte schon im Herbst ein 2:1-Sieg gegen Rapid aufkeimende Dissonanzen, damals der Start eines erfolgreichen Novembers. Unter dem Strich wäre für Sturm jedoch mit diesem Kader in dieser Saison bislang einiges mehr drinnen gewesen.

Ist Präsident Jauk mit Tumani der nächste Fehler unterlaufen?

Rettungsanker Nummer zwei ist Christian Jauk. Das Vereinsoberhaupt hat tendenziell kein Interesse, seiner bisherigen Chaos-Präsidentschaft ein weiteres unrühmliches Kapitel hinzuzufügen.

Dabei sind gerade der Vorstand und dessen Boss nicht von einer Kardinalschuld freizusprechen. Viele Beobachter vertreten die Meinung, dass man Tumani gar nie vom Co-Trainer zum Geschäftsführer hätte befördern dürfen.

Diese Personalentscheidung fiel im vergangenen September. Zur Erinnerung: Tumanis Vorgänger Paul Gludovatz schied schon nach wenigen Wochen unter dubiosen Umständen aus seinem Amt, offiziell kehrte er nicht aus seinem Krankenstand zurück.

Über den Sommer hinweg wurde der wirtschaftliche Geschäftsführer Christopher Houben in der Doppelfunktion als sportlicher Geschäftsführer verheizt. Dieser reichte bereits Mitte August die Kündigung ein, offiziell befand er sich auf Urlaub.

Man stelle sich die öffentliche Aufregung vor, wäre es nicht gelungen, diese Kündigung über Wochen geheim zu halten. Jauk wäre nur wenige Monate nach dem Start seines ambitionierten Projekts ohne Geschäftsführer dagestanden, und diese genossen in Jauks Neuausrichtung des Vereins als operative Leiter des Tagesgeschäfts nunmal oberste Priorität.

Die Zeit drängte entsprechend. Bei „Sturm12“ erinnerte sich der Präsident erst kürzlich: „Wir haben uns auf einen objektiven Bewerbungsprozess festgelegt, wo sich Ayhan Tumani am Ende als der bestmögliche Kandidat herausgestellt hat.“

Der Verdacht, dass eher eine schnelle Lösung gesucht wurde, weil sich Houbens Abgang nicht mehr verheimlichen ließ, drängt sich auf. Denn über Tumanis Stärken und Schwächen wusste jeder im Verein Bescheid, entsprechend groß war die Verwunderung mancherorts. Gerüchten zufolge wurde seine Bestellung auch gegen die Zustimmung so manches einflussreichen Entscheidungsträgers durchgepeitscht.

Als starker Mann und Bindeglied zwischen Tumani und der neuen wirtschaftlichen Geschäftsführerin, Daniela Tscherk, wurde Gerhard Goldbrich installiert. Ein geschickter Schachzug. Der Generalmanager strahlt Ruhe aus. Ihm ist zumindest zuzutrauen, dass er Ordnung in das schwarz-weiße Chaos bringt.

Wobei ihm bezüglich weiterer Sturm-Zukunft seines Geschäftsführungskollegen Tumani ohnehin die Hände gebunden wären, diesbezüglich müsste im Fall der Fälle der Vorstand plus Aufsichtsrat die Reißleine ziehen.

Aber ob Jauk der Typ dafür ist, diesen Gesichtsverlust zu riskieren? Wenn schon wieder ein sportlicher Geschäftsführer scheitert, fiele es unweigerlich auch auf ihn zurück.

„Der zweite Elfmeter muss sitzen“, posaunte er bezüglich dieser Personalie unermüdlich seit vergangenem August.

Im Moment ist er auf dem besten Wege, zum Soriano unter den Bundesliga-Präsidenten zu werden.

Wobei, ganz stimmt das auch wieder nicht: Denn Jonathan Soriano nutzte ja seine zweite Elfmeter-Chance gegen Rapid…

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