Ein Krisengipfel als Realsatire

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Die Sturm-Familie bleibt also zweigeteilt.

Es darf munter weiter gestritten werden – unter Fans in diversen Foren, und wohl oder übel auch innerhalb des Vereins.

Denn dass parallel zum Tauwetter bei den „Blackies“ vereinsintern zwischenmenschliche Frühlingsgefühle einsetzen, ist zumindest fraglich.

Wie auch immer: Dass Peter Hyballa Trainer der Grazer bleibt, ist keine gänzlich überraschende Entscheidung – egal ob sich der Glaube an die Lernfähigkeit des Deutschen bezüglich sozialer Kompetenz durchgesetzt hat oder letztlich nur finanzielle Gründe den Ausschlag gegeben haben, sprich dass man sich eine Trennung schlicht und einfach nicht leisten kann.

Darüber darf munter spekuliert werden. Begründungen oder Beweggründe für die Entscheidung liefert Sturm nicht wirklich. Nichtssagend vielsagend irgendwie.

Rund 500.000 Euro hätte Sturm dem Vernehmen nach locker machen müssen, um Hyballa und Geschäftsführer Sport Ayhan Tumani (beide haben Vertrag bis Sommer 2014) im Falle eines Abschieds auszubezahlen.

Relativ viel für einen Verein, der in jüngerer Vergangenheit für seriöse Budgetierung bekannt ist, löblicherweise jeden Euro zwei Mal umdreht, und dem nicht durch spendable Geldgeschenke von privaten Gönnern Flügel verliehen werden.

Apropos Tumani: Der offiziellen Presseaussendung zum Verbleib von Hyballa ist bezüglich Zukunft des vielerorts ungeliebten Deutsch-Türken nichts zu entnehmen.

Im Gegensatz zu den übrigen Mitgliedern der Geschäftsführung war er beim „Krisengipfel“ am Mittwochabend nicht anwesend. Der einstige Co-Trainer befindet sich weiterhin im Krankenstand, inzwischen seit knapp zwei Wochen.

Die montägige Analysesitzung mit Generalmanager Gerhard Goldbrich, Geschäftsführerin Wirtschaft Daniela Tscherk und Hyballa fand folgerichtig auch quasi am „Krankenbett“ in jenem Hotel, in dem das Duo „Hymani“ untergebracht ist, statt.

Die Gesundheit geht natürlich vor. Das weiß man bei Sturm spätestens seit dem Abschied von Tumanis Vorgänger Paul Gludovatz, dessen Anfang vom Ende ebenfalls ein ausgedehnter Krankenstand einläutete.

Bezüglich der Personalie Tumani schwebt nach wie vor die Variante, dass Goldbrich die Agenden des 41-Jährigen mitübernimmt, unwidersprochen im Raum. Klare Worte der Verantwortlichen, ob Tumani noch eine Zukunft an der Mur hat, stehen aus, wären aber umso wünschenswerter.

Abgesehen von diesen (un)geklärten Personalfragen kommt man jedoch nicht umhin festzustellen, dass diese Realsatire, die sich am Mittwochabend rund um diesen Krisengipfel abgespielt hat, bezeichnend für den aktuellen Zustand des SK Sturm ist.

Egal ob man unverschuldet zum Handkuss gekommen ist oder doch ein hochrangiger Insider im Vorfeld gegenüber der „Kleinen Zeitung“ ausgepackt hat, man muss von einem kommunikationstechnischen Super-GAU sprechen: Für die Lokalzeitung sowieso, aber auch für den Verein.

Denn dass es, gelinde gesagt, seltsam anmutet, wenn um 20:49 Uhr die Ergebnisse einer um 20:30 Uhr beginnenden und laut Text bis weit nach Mitternacht dauernden Sitzung nachzulesen sind, liegt auf der Hand.

Das ist natürlich zuallererst ein Mega-Fail des entsprechenden Mediums, der auch damit nicht wiedergutzumachen war, dass die Meldung nach rund einer halben Stunde wieder offline genommen wurde.

Mag sein, dass der Autor dieses Artikels einen Zufallstreffer gelandet hat und wirklich nur über eine Sitzung mit offenem Ausgang spekuliert hat, wie dies der Verein darstellt.

Stimmt das, wäre es natürlich historisches Pech für Sturm. Es wäre allerdings auch ein besonders merkwürdiger Zufall.

Verschwörungstheorien sind jedenfalls Tür und Tor geöffnet. Denn dass diese Sitzung nach außen nun wie ein abgekartetes Spiel wirkt, muss niemanden verwundern. Ebenso wie der Eindruck, dass möglicherweise ein tendenziell hochrangiger Sitzungsteilnehmer bereits im Vorfeld einem der beiden lokalen Leitmedien die Marschroute preisgegeben hat.

Dies ist natürlich Wasser auf den Mühlen jener Kritiker, welche die Rolle von „Kleiner Zeitung“ und „Steirerkrone“ im Hinblick auf Sturm – nicht zu Unrecht - ins Visier nehmen.

Da passt so ein „Hoppala“ – soll man lachen oder weinen? - natürlich glänzend ins Bild. Ins Bild eines Vereins, der während der Präsidentschaft von Christian Jauk weiterhin nicht zur Ruhe kommt. Ob das wiederum ein Zufall ist…?

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