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Ein steirisches Schlamassel: Was nun?

Schluss mit Hy-BLABLA, stattdessen ein letztes Hy-BABA!

Es kam, wie es kommen musste: Peter Hyballa ist nicht mehr Trainer des SK Sturm. Eine Überraschung? Natürlich nicht. Die einzig offene Frage erschien zuletzt nur noch der Zeitpunkt der Trennung zu sein.

Um es unmissverständlich zu formulieren: Diese Entscheidung ist richtig. Sie war unvermeidlich. Die Kluft zwischen Hyballa auf der einen Seite und dem Gesamtgebilde Sturm Graz auf der anderen Seite war nicht mehr zu kitten.

Erst recht nicht, nachdem der 37-Jährige nach der Entmachtung seines „Zwillings“ Ayhan Tumani (als Geschäftsführer Sport am 20. März entlassen) zum Einzelkämpfer wurde, zu einem einsamen Solisten unter ihm nicht gerade wohlgesonnenen Mitarbeitern.

Peter Hyballa ist in Graz an sich selbst gescheitert

Ist Mitleid angebracht? Natürlich nicht. Diese Isolation hat sich Hyballa zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben, dies wurde an dieser Stelle auch schon mehrfach dokumentiert.

Sein Egoismus und seine Selbstverliebtheit brachten ihn nicht zum ersten Mal in seiner Karriere in Schwierigkeiten. Man darf davon ausgehen, dass so manche Facette der Dissonanzen auch noch nicht ans Tageslicht gebracht wurde. Fest steht: An Episoden mangelte es dieser turbulenten Ehe definitiv nicht, nachhaltigen Eindruck hat der Deutsche an der Mur definitiv hinterlassen.

Nur nicht auf dem Gebiet, wo er selbigen hinterlassen sollte. Denn sportlich trat Sturm unter seiner Anleitung auf der Stelle. Von seiner – mit lauten Tönen angekündigten - Vorstellung von Fußball waren die Grazer die meiste Zeit weit entfernt. Ob dies nur an der fehlenden Chemie mit der Mannschaft lag oder auch an handwerklichen Defiziten, sei dahingestellt.

Fest steht nur, dass der „feuchte Traum“ so mancher Fernglas-Journalisten gescheitert ist, und das nicht knapp. So löblich es war, dass Sturm über den Tellerrand hinaus blickte, einen modern und wissenschaftlich arbeitenden Vertreter der neuen Trainer-Generation engagieren wollte, quasi einen „Klopp-Klon“, so sehr versagte im konkreten Fall der Background-Check.

Auch wenn es manche immer noch nicht einsehen möchte: Nicht jeder „Konzepttrainer“ ist automatisch ein guter Trainer. So sehr „Steinzeit-Coaches“ vom Schlage eines Didi Constantini mit aller Gewalt ein Riegel vorgeschoben werden muss, so sehr sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, dass nicht jeder Übungsleiter mit selbstbewussten Auftreten und blendender Theorie-Rhetorik ein guter Trainer ist.

Denn was nutzt es, wenn man sein Wissen in der Praxis nicht vermitteln kann? Und das war möglicherweise noch das geringste Problem in der Herangehensweise Hyballas. Seine Anhänger mögen sein Auftreten als Unbeirrbarkeit durchgehen lassen, für Kritiker ist es eher Unbelehrbarkeit.

Und genau an dieser Stelle müssen wir den Schwenk zum viel zitierten Projekt „Sturm-Neu“ vollziehen. Bezüglich der fehlenden Konstanz in der Personalpolitik, und diesbezüglich stellt der Hyballa-Abschied nur ein weiteres Kapitel dar, gibt es mehrere Aspekte.

Möglicherweise gibt es sogar ein Szenario, in dem Hyballa bei Sturm funktioniert hätte. Wenn der Verein nämlich von Beginn seines Engagements an ein starkes Gebilde mit klar verteilten Kompetenzen und starken Entscheidungsträgern gewesen wäre, in dem sich Hyballa rein auf seine Kernaufgabe konzentrieren hätte können.

Jauk steht das Wasser bis zum Hals

Das war (und ist) Sturm nicht. Ganz und gar nicht.

Mit dem ungeliebten Trainer ist nach Geschäftsführer Sport (1. Versuch) Paul Gludovatz, Geschäftsführer Wirtschaft Christopher Houben und Geschäftsführer Sport (2. Versuch) Ayhan Tumani bereits die vierte Schlüsselpersonalie von "Sturm-Neu" von Bord gegangen.

Aus teilweise gänzlich unterschiedlichen Motiven und Hintergründen.

Selbst bei einem herkömmlichen Präsidenten-Verein ältester Schule, der an seinen amateurhaften Strukturen beinahe erstickt (also fast überall in Österreich), wäre es bei einem derartigen Chaos ein Ding der Unmöglichkeit, perspektivisch zu arbeiten.

Für ein im Grunde mehr als löbliches Projekt wie in Graz, wo dieser Strukturfehler erkannt, der Verein auf dem Papier auf moderne Beine gestellt und das Tagesgeschäft an bezahlte Manager übergeben wurde, ist es schlichtweg eine Katastrophe, was in den vergangenen zwölf Monaten passiert ist.

Auch, und dieser Randaspekt wurde bislang nur wenig beleuchtet, weil potenzielle fähige neue Mitarbeiter von solchen Zuständen naturgemäß abgeschreckt werden – ein Umstand, den Sturm tendenziell schon vergangenen Sommer zu spüren bekam, und der dem Klub letztlich mangels Alternativen Tumani eingebrockt hat.

Ein steirisches Schlamassel, das sich womöglich auch damit begründen lässt, dass ausgerechnet der Erfinder dieses Konzepts selbiges noch nicht verinnerlicht hat. So unscheinbar Präsident Christian Jauk in der Öffentlichkeit auftritt, so spürbar ist sein Wirken hinter den Kulissen.

Nach gut einem Jahr im Amt steht ihm nun das Wasser bis zum Hals. Denn, und dies sei ausdrücklichst betont, der wahre Paukenschlag in schwarz-weiß war an diesem Montagnachmittag nur auf den ersten Blick und für die breite Öffentlichkeit die Hyballa-Verabschiedung. Die war ohnehin nur noch Formsache.

Der Rücktritt von Friedrich Santner ist ein besorgniserregendes Signal

Auf den zweiten Blick ist es der Rücktritt von Friedrich Santner. Dass der einflussreiche Aufsichtsratsvorsitzende, der einen äußerst integren und in finanziellen Angelegenheiten pragmatischen Ruf genoss, von Bord geht, gibt Anlass zur Sorge.

Gegenüber „Sturm12“ moniert er, dass die geplante Langfristigkeit, um auf wirtschaftlich guten Füßen zu stehen, durch die vielen Personalwechsel konterkariert worden sei. Sämtliche Entlassungen würden Geld kosten.

„Aber natürlich ist es einfacher, wenn ich Leute rauswerfe, denen viel Geld zahle, einen neuen hole und den dann wieder entlasse“, kritisiert Santner.

Dies muss nur bedingt auf die Personalie Hyballa bezogen sein, denn als glühender Anhänger des Deutschen galt Santner – als Geschäftsführer der Anton Paar GmbH eine einflussreiche Persönlichkeit der steirischen Wirtschaft – nicht, sondern auf die Gesamtsituation. Schon nach der Bestellung Tumanis zum Geschäftsführer hieß es, dass Santner auf Distanz zu anderen Entscheidungsträgern ging. Dies bewahrheitete sich nun wohl.

Mit seinem Abschied sei laut Santner die „Gespaltenheit in den Gremien“ nicht mehr gegeben. Das heißt übersetzt wohl: Alle Macht den Jauks dieser Welt.

Ob das gut ist für ein hoffnungsvolles Projekt, das den geplanten Weg nie wirklich eingeschlagen hat?

Oder anders gefragt: Was nun?

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