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Stögers Lehren aus 1992

1992 war es, als Peter Stöger Eintracht Frankfurt nach konkreten Verhandlungen einen Korb erteilte.

Sein Mittelfeld-Kompagnon im Nationalteam, Andreas Herzog, hatte gerade den Sprung zu Werder Bremen gewagt. Toni Polster ging in Spanien auf Torjagd. Ansonsten waren österreichische Nationalspieler zum damaligen Zeitpunkt internationale Ladenhüter.

„Die Schwierigkeiten lagen im finanziellen Bereich“, schilderte Stöger, 26 Jahre alt und im besten Fußball-Alter, warum aus dem Wechsel nichts wurde.

Frankfurt war damals eine absolute Top-Adresse in Deutschland. Erst am letzten Spieltag der Saison 1991/92 vergeigten die Hessen den bereits sicher geglaubten Meistertitel durch eine Niederlage bei Hansa Rostock. Andreas Möller wechselte daraufhin zu Juventus Turin, Stöger hätte ihn ersetzen sollen – wenige Jahre vor dem Bosman-Urteil und in Zeiten beschränkter Legionärskontingente ein ehrbares Angebot.

Stöger blieb bei der Austria. Und er blieb zeit seiner Vereinskarriere das, was er schon davor war: Ein sehr guter und erfolgreicher Bundesliga-Spieler. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Den Ruf des bequemen Stubenhockers wurde er jedenfalls nie mehr los - schon gar nicht, als sich 1997 auch ein Wechsel zu 1860 München (auch Köln bekundete damals Interesse!) zerschlug und stattdessen der LASK den Zuschlag bekam.

In den 90ern wagten die meisten Protagonisten des österreichischen WM-Kaders 1998 zumindest irgendwann einmal einen Anlauf im Ausland.

Neben Stöger haben nur Beinahe-Tottenham-Legionär Toni Pfeffer, Peter Schöttel, Roman Mählich, Martin Amerhauser und Wolfgang Knaller nie über den Tellerrand der Bundesliga hinausgeblickt.

So gesehen umso kurioser, dass Stöger in seiner zweiten Karriere nun zur raren Spezies des Trainer-Legionärs gehört.

Aber er lernt offenkundig aus Fehlern der Vergangenheit. Denn solche Chancen muss man dann ergreifen, wenn sie sich einem bieten.

Der 1. FC Köln genießt derzeit bei weitem nicht den Status, den etwa die Eintracht vor 21 Jahren genoss. Aber über das Potenzial der „Geißböcke“ muss man nicht streiten.

Kann ihr neuer Coach selbiges entfalten, wird der Trainer Peter Stöger einen anderen Ruf als der Spieler Peter Stöger genießen und könnte nebenbei einiges für das Image österreichischer Coaches tun.

In diesem Sinne nur das Allerbeste für den „Nachholbedarf“!

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