Rapid muss im 21. Jahrhundert ankommen - und zwar jetzt

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Und wieder einmal besiegelte Pasching sein Schicksal.

Schon im November 2006 nahm Peter Schöttel, damals freiwillig und als Sportdirektor, nach einer Partie gegen die Oberösterreicher seinen Hut.

Nach einem 1:1 gegen den Dorfklub, sechs sieglosen Partien in Folge und dem neunten Tabellenrang (Letzter war übrigens Lokalrivale Austria) war es zu einem Platzsturm gekommen. „Wir sind Rapid und wer bist du?“, skandierten einige minderjährige Anhänger dem grün-weißen Urgestein ins Gesicht. Kurios.

Sechseinhalb Jahre sind seither vergangen. Hat sich auf den ersten Blick sonderlich viel verändert?

Der Präsident ist derselbe, die Stadion-Ruine ist dieselbe, ein Teil der Anhängerschaft glaubt immer noch, Vereinspolitik machen zu müssen. Schöttel geht abermals mit Stil – wie oft setzt sich ein Coach schon bei der Verkündigung seines Abschieds gemeinsam mit seinen „Henkern“ auf das Podium?

Schöttels Abgang ließ sich aufgrund des beispiellosen Negativlaufs in diesem Frühjahr wohl nicht mehr verhindern. Die Floskel vom Trainer als schwächstes Glied in einem Verein bewahrheitet sich immer wieder.

Nun kann man endlos diskutieren, ob der 46-Jährige nicht streng genug gewesen ist, ob er die falschen Spieler ausgewählt hat (so perspektivlos, wie manche meinen, ist dieser Kader auch wieder nicht), sich taktische Fehler leistete, oder ob er einfach nur ein Opfer der allgemeinen Unruhe im Verein geworden ist.

Schöttel als alleiniges Bauernopfer hinzustellen, kratzt nur an der Oberfläche

Alles zwecklos. Es werden weitere sinnlose Bauernopfer folgen, wenn der Klub nicht schnell im 21. Jahrhundert ankommt.

Die Strukturen sind veraltet, die Tradition als alleiniger Verkaufsschlager ist zu wenig. Die Fans mögen mit Kritik-Punkten Recht haben – viele erkennen dabei jedoch nicht, dass sie nicht nur konstruktive Mahner, sondern mit ihrem bisweilen dämlichen Verhalten auch Teil des Problems sind (man denke alleine an Saloniki…).

Schön, wenn Rapid 2008 Meister wurde und einige Spieler um gutes Geld verkaufen konnte - ein entscheidender Schritt in Richtung modernem Fußball-Verein wurde seit 2006 jedoch nicht getan. Man lebte trotzdem lieber weiter im Hier und Jetzt – und in der so superen Vergangenheit selbstverständlich.

Stillstand quasi. Und dieser ist nun mal Rückschritt.

Oder um es aus gesamtösterreichischer Sicht zu sagen: Es ist kein Zufall, dass viele Traditionsklubs die Rechnung für ihren Dornröschenschlaf präsentiert bekommen.

Der LASK ist schon gescheitert, das Pseudo-Produkt in Klagenfurt ebenso. Was derzeit bei Wacker Innsbruck abgeht, ist an Traurigkeit schwer zu überbieten – es scheint vorbehaltlich massiver Veränderungen leider nur eine Frage der Zeit zu sein, bis in Tirol kein Bundesliga-Fußball mehr gespielt wird. Sturm Graz erkannte zwar die strukturellen Probleme, führende Persönlichkeiten neigen bis dato jedoch zur Unfähigkeit in der Umsetzung des eigenen, löblichen Konzepts.

Österreichs Fußball entwickelt sich immer mehr zum Tummelplatz für schlank organisierte Provinz-Klubs von Gnaden einiger Gönner. Haben diese keinen Bock mehr, verschwindet der Verein und niemanden juckt es wirklich.

Ein Stadion-Neubau muss der Startschuss in eine zeitgemäße Zukunft sein

Nachhaltigkeit schaut anders aus. Eine Ebene darüber kann man diesbezüglich auch Salzburg ins Boot holen, wo ein Krisenherd schlummert, sollte Didi Mateschitz doch irgendwann die Lust auf Fußball verlieren.

Dass es sich in Wolfsberg, Mattersburg, Wiener Neustadt oder Grödig – relativ befreit von medialer Beobachtung oder öffentlichem Druck – angenehm arbeiten lässt, ist nicht die Schuld dieser „Zwerge“. So lästig die Herangehensweise der Dorf-Klubs in Sachen Infrastruktur sein mag, ihnen ihren sportlichen Erfolg zum Vorwurf zu machen, wäre Themenverfehlung.

Es ist die Schuld der so genannten „Großen“, dass sie aus ihrem ungleich größeren Potenzial wenig bis gar nichts herausholen. An dieser Stelle gilt es nach diesem kleinen Exkurs wieder bei Rapid anzuknüpfen.

Wo wollen die Hütteldorfer hin? Wofür steht Rapid eigentlich? Gibt es überhaupt eine Vision? Reicht es bei diesen Möglichkeiten im Umfeld und in einer Millionenstadt wirklich, die traditionsbewusste Antithese zu den „Millionarios“ aus Salzburg zu sein, die in Österreich alle paar Jahre einen Meistertitel erbt und hin und wieder in der Europa-League-Gruppenphase Hallo sagt?

Natürlich nicht. Dies soll keine Einladung zu unseriösem Wirtschaften und sinnlosem Wettbieten mit Salzburg sein. Ganz im Gegenteil. Ein Verein wie der FC Basel zeigt seit Jahren vor, was mit zeitgemäßer Arbeit möglich ist – die Schweizer Stadt hat übrigens nur rund 170.000 Einwohner.

Man müsste halt einmal anfangen, sich moderner und internationaler zu positionieren - der perfekte Startschuss dafür wäre es, einen Stadion-Neubau durchzusetzen.

Keine leichte Übung im „Land der Bewahrer“, wo alle Beteiligten immer erst dann aufwachen, wenn es viel zu spät ist, und sich dennoch nichts Grundlegendes, sondern nur Oberflächliches (wie der Name des Trainers) ändert.

Wie wir den Fortschritt Rapids wohl in sechseinhalb Jahren einschätzen werden? Liegt man am Boden, ist die Chance eines Neustarts für gewöhnlich ungleich höher.

Genau jetzt ist der Zeitpunkt, wo Rapid unter einer neuen Führung seine alternativlose Aufgabe als Zugpferd des österreichischen Fußballs – endlich – in Angriff nehmen muss. Punkt.

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