Wie wertvoll ist "nur" eine deutsche Meisterschaft?

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Eigentlich ist es ja ziemlich einfach, ein Anhänger des FC Bayern München zu sein.

Die Stichelei, man sei ein „Erfolgsfan“ und „Glory Hunter“, ist angesichts der zahlreichen und vor allem regelmäßigen Triumphe des deutschen Vorzeige-Vereins schon eine der schlimmeren Qualen, die es ertragen gilt.

Diese Theorie sollte man an Tagen wie diesen nicht zu laut hinausposaunen. Erst der schmerzliche Pokal-Ausrutscher gegen Borussia Dortmund, nun die noch schmerzlichere Abfuhr bei Pep Guardiolas Heimkehr nach Barcelona.

Vorbehaltlich eines den Bayern immer zuzutrauenden Wunders war’s das mit dem großen Ziel Champions League. Aller Voraussicht nach bleibt es in dieser Saison „nur“ beim deutschen Meistertitel.

Die armen Bayern-Fans! Man kann nur hoffen, sie finden Trost in der Highlight-DVD 2012/13, als man sich noch standesgemäß übers Triple freuen durfte.

Die leichte Boshaftigkeit in der Formulierung ist durchaus Absicht. Aus gutem Grund. Denn irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass man Mitglieder der Bayern-Familie immer wieder daran erinnern muss, wie wertvoll solch eine deutsche Meisterschaft ist.

Die Leidenszeit in den Jahren 2011 und 2012, als der BVB gleich zwei Mal in Folge den Titel entführte, scheint angesichts der darauffolgenden Erfolge schon wieder aus dem Gedächtnis gestrichen – ist ja auch schon ziemlich lange her.

Auch Guardiola selbst vermittelt den Eindruck, dass die heimische Kost zwar nett sei, er jedoch nur am CL-Buffet so richtig satt werden würde.

Hohe Ansprüche sind gut und im Fall des FC Bayern auch selbstverständlich. Sich die Latte zu hoch zu legen, birgt jedoch auch Gefahren – gerade in der aktuellen Personalsituation, in der die Kräfteverhältnisse zwischen Barcelona und Bayern auch nicht die ganz, ganz große Sensation darstellen. Es gibt eben auch noch andere nicht so schlechte Vereine auf dieser Welt.

Meisterschaft, in CL und Pokal jeweils (zumindest) unter den letzten vier Teams – man darf gespannt sein, wie die Bayern selbst diese Saison einordnen werden. Man kann die Antwort vermutlich recht zielsicher vorhersagen. Bescheidenheit ist eben nur eine Zier.

Guardiola kann man so gesehen nur wünschen, dass er nicht am Triple-Trauma zerbricht. Das wäre schade, denn dafür leistet er in München zu gute Arbeit. Und wenn magische Saisonen wie jene 2012/13 die Norm wären, wären sie in der Fußball-Geschichte schon öfter gelungen.

Fans von geschätzt 99 Prozent aller anderen Vereine würden auch mit seinem Bayern-Output nur zu gerne tauschen…

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