Wer Visionen hat...

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„Jedes Kind in Japan soll den Wunsch haben, beim SV Horn zu spielen.“

Das sagt nicht ein Waldviertler Tourismus-Manager nach einem besonders gelungenen Heurigen-Abend, sondern Keisuke Honda – seines Zeichens Profi beim AC Milan und Star der japanischen Fußball-Nationalmannschaft.

Gut, bis sich Manchester United oder der FC Barcelona im Beliebtheits-Ranking der Nippon-Jungs hinter dem Provinzklub aus der Regionalliga Ost anstellen müssen, wird im Weltfußball wohl noch das eine oder andere Tor erzielt werden.

Wie überhaupt diese Story als Ganzes geradezu prädestiniert für spöttische Kommentare ist.

Noch dazu, wenn sich Honda im feinsten italienischen Zwirn in der eher rustikal geprägten Gegend hinstellt und skurrile Visionen wie die folgenden von sich gibt:

„Ich hoffe, dass der SV Horn nicht der erste Schritt für junge Japaner sein wird, sondern der letzte.“

„Wir möchten die Stadt noch lebhafter machen und auch japanische Touristen hierher bringen.“

Das entscheidende Stichwort ist „Visionen“. Wer solche habe, sollte zum Arzt gehen, meinte einst der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt. Wie fiele wohl die Diagnose für Honda aus?

Natürlich braucht es "ein wenig" Fantasie, um sich vorzustellen, wie den Plänen des japanischen Superstars Leben eingehaucht werden soll – noch dazu, wenn der Weg ein derart weiter ist wie für den SV Horn.

Zudem haben Investoren im österreichischen Fußball schon zu oft entweder schnell die Lust verloren, oder ihre teuren Versprechen nicht gehalten.

Andererseits: Honda hat mit seiner Gruppe in seiner Heimat Akademien auf die Beine gestellt und wird tendenziell seinen guten Namen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Man kann zumindest diagnostizieren, dass er tatsächlich an den Business-Plan seines Projekts in Horn glaubt.

Ob das alles wirklich Sinn macht? Man weiß es nicht. Dafür muss man abwarten und Honda und Co. zuerst einmal werken lassen.

Möglich, dass er flott wieder weg ist. Möglich, dass er scheitert und der binnen drei Jahren angestrebte Aufstieg in die Bundesliga nicht gelingt.

Aber wer weiß, vielleicht staunt im ansonsten oftmals visionslosen österreichischen Vereins-Fußball am Ende ja die Konkurrenz.

Es soll zumindest nichts Schlimmeres passieren, als wenn jemand Geld in den heimischen Fußball investiert.

Wie auch immer: Man darf gespannt sein...

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