Eine "deppate" Frage?

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Die nächste „deppate“ Frage also.

Frei nach Günter Neukirchner und mit dem Hinweis, dass er nicht auf Gerüchte eingehen würde, umschiffte Christian Jauk etwas holprig die Frage über den Wahrheitsgehalt des Tratschs, dass er seinen Rücktritt als Sturm-Präsident angeboten habe.

Es muss auch Tratsch gewesen sein. Denn die traute Einigkeit, in der sich Jauk mit seinem neuen Trainer und früheren Intimfeind Franco Foda der Öffentlichkeit präsentierte, lässt darauf schließen, dass die „richtigen Männergespräche“ von Erfolg gekrönt waren.

Gehen wir einfach einmal davon aus, dass dies tatsächlich der Fall ist und eine vernünftige Basis des gegenseitigen Respekts gefunden wurde.

Denn Foda ist nicht der Typ dafür, ein Engagement anzunehmen, wenn er nicht zumindest das notwendige Mindestmaß an Rückendeckung verspürt – auch nicht bei seinem „Lebensverein“ Sturm Graz und schon gar nicht unter Aufsicht des Vereinsoberhaupts, das ihn im Frühjahr 2012 beurlaubt hat und mit dem ihn schon zuvor nur Auffassungsunterschiede verbanden.

Der Bänker Jauk muss also einen bemerkenswerten Sprung über seinen eigenen Schatten hingelegt haben.

Funktioniert das erneute Engagement des Meistermachers von 2011 – und dies ist nicht unwahrscheinlich, Foda „kann“ Sturm Graz – wird man dem Boss der „Blackies“ zu seiner zwischenmenschlichen Kehrtwende gratulieren müssen.

Dass ausgerechnet Foda die von unglücklichen bis kurzsichtigen Personalentscheidungen geprägte Ära Jauks retten soll, ist wiederum ein Schenkelklopfer - und für den 48-Jährigen, auch wenn er es nie zugeben würde, sicherlich auch eine kleine Genugtuung.

Denn das schwarz-weiße Projekt des Präsidenten wurde einerseits aufgesetzt, um Sturm strukturell auf moderne Beine zu stellen – dies ist am Papier geschehen. Darüber wie gelungen es gelebt wird, gibt es differenzierte Interpretationen.

Andererseits wollte man einen Paradigmenwechsel vollziehen, den Verein „durchlüften“, schlicht und einfach neue Wege gehen. Da war für den vermeintlichen „Alleinherrscher“ Foda kein Platz mehr, die interne Nachrede über den Deutschen fiel relativ verheerend aus.

Die provinziellen Strukturen mögen gegangen sein, geblieben ist die Provinz-Posse. In den letzten zweieinhalb Jahren ließ man wirklich nur wenige Fettnäpfchen aus.

Wie gemalt passte es da ins Bild, dass der Aufsichtsratsvorsitzende – und Bundesliga-Präsident - Hans Rinner via „Sturm12“ das Foda-Engagement etwas ungeschickt vorab bestätigte. Jauk betonte, dass sein Vorvorgänger an der Vereinsspitze dies schriftlich dementiert habe. Blöd nur, dass „Sturm12“ die entsprechende SMS veröffentlichte.

Eine Kleinigkeit, die jedoch unterstreicht, wie kompliziert die Interessen rund um Sturm bisweilen sein können. Letztlich entscheiden eben doch nur die handelnden Personen darüber, wie gelungen selbst die beste Strategie umgesetzt wird.

Vom vielzitierten Schlagwort „Sturm Neu“ hat man sich aber ohnehin längst verabschiedet. Die Bestellung Fodas symbolisiert zudem die Rückkehr zu alten sportlichen Tugenden. Das muss nicht zwingend schlecht sein, im Gegenteil. Denn mit dem in den vergangenen zweieinhalb Jahren gebotenen Fußball hat man viele Fans aus dem Stadion vertrieben.

Aufbruchstimmung in ein neues Zeitalter sieht jedoch anders aus. Bemerkenswert viele Fans kritisieren die Verpflichtung eines Mannes, der Sturm erst vor gut drei Jahren sensationell zum Meistertitel führte.

Letztlich geht die Führungs-Crew um Jauk mit diesem Schritt „all in“. Funktioniert nicht einmal sein bisheriger Gegenspieler als Rettungsanker, wird die Frage nach dem Rücktritt gar nicht mal mehr so „deppat“ sein.

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